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XXV. Uns ist zergangen

Von

I

Uns ist zergangen der lieplîch sumer.
dâ man brach bluomen, da lît nu der snê.
mich muoz belangen, wenne sî mînen kummer
welle volenden, der mir tuot so wê.
Jâ klage ich niht den klê,
swenne ich gedenke an ir wîplîchen wengel,
diu man ze vröide so gerne ane sê.

II

Seht an ir ougen und merkent ir kinne,
seht an ir kele wîz und prüevent ir munt.
Si ist âne lougen gestalt sam diu minne.
mir wart von vrouwen so liebez nie kunt.
Jâ hât si mich verwunt
sêre in den tôt. ich verliuse die sinne.
genâde, ein küniginne, du tuo mich gesunt.

III

Die ich mit gesange hie prîse unde kroene,
an die hât got sînen wunsch wol geleit.
in gesach nu lange nie bilde alsô schoene
als ist mîn vrowe; des bin ich gemeit.
Mich vröit ir werdekeit
baz danne der meie und alle sîn doene,
die die vogel singent; daz sî iu geseit.

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Gedicht: XXV. Uns ist zergangen von Heinrich von Morungen

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „XXV. Uns ist zergangen“ von Heinrich von Morungen ist eine Minnelied-Vertonung, die sich auf das Thema der verlorenen Liebe und die unendliche Sehnsucht konzentriert. In drei Strophen beschreibt der Dichter die Vergänglichkeit der Freude und die alles verzehrende Kraft seiner Geliebten. Die Natur, die im ersten Vers als ein Symbol für die vergangene, glückliche Zeit dient, wird der Gefühlswelt des Dichters gegenübergestellt, die von Schmerz und Sehnsucht geprägt ist. Der Kontrast zwischen der Schönheit der Geliebten und dem Leid des Dichters ist das zentrale Thema des Gedichts.

Die erste Strophe beginnt mit der Klage über den verlorenen Sommer, der als Metapher für die vergangene glückliche Zeit und die körperliche Liebe steht. Der Schnee, der nun die Blumen bedeckt, symbolisiert die Kälte und Leere, die der Dichter empfindet. Die Sehnsucht nach der Geliebten ist allgegenwärtig und dominiert die Gedanken des Dichters. Er sehnt sich danach, dass seine Geliebte sein Leid beenden möge. Die Zeilen drücken eine tiefe Verzweiflung und den Schmerz über die Trennung aus. Die Freude, die er früher an den Wangen der Geliebten hatte, ist vergangen, und der Dichter leidet unter diesem Verlust.

In der zweiten Strophe wird die Schönheit der Geliebten in den Mittelpunkt gerückt. Der Dichter beschreibt ihre Augen, ihr Kinn und ihren Mund, wobei er ihre Schönheit als göttlich und unübertroffen preist. Die Geliebte erscheint als Inbegriff der Minne (Liebe), was eine tiefgreifende Verehrung ausdrückt. Die Liebe der Geliebten hat den Dichter „sêre in den tôt“ verwundet, eine Metapher für das intensive emotionale Leid, das er durch die Liebe erfährt. Er fleht die Geliebte an, ihn zu heilen, und bittet sie um Gnade. Die Worte zeugen von einer hoffnungslosen, aber dennoch tiefen Liebe.

Die dritte Strophe ist eine Huldigung an die Geliebte und eine Überhöhung ihrer Schönheit. Der Dichter preist sie mit Gesang und Kränzen und behauptet, dass Gott seinen Wunsch in sie gelegt habe. Die Schönheit der Geliebten übertrifft alles, was er je gesehen hat. Die Anmut und Schönheit der Geliebten bereiten dem Dichter mehr Freude als der Frühling mit all seinen Liedern. Die Strophe feiert die Geliebte als Inbegriff von Schönheit und Vollkommenheit, wobei die Liebe des Dichters durch die Natur verglichen wird. Das Gedicht endet mit einer Bekräftigung der tiefen Liebe und Verehrung des Dichters für seine Geliebte, obwohl er das Leid, das sie ihm zufügt, erkennt.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.