XXVI. Mich wundert harte
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Mich wundert harte, daz ir alse zarte kan lachen der munt. ir liehten ougen diu hânt âne lougen mich senden verwunt. Diu brach alse tougen al in mîns herzen grunt. dâ wont diu guote vil sanfte gemuote. des bin ich ungesunt.
II
Swenne ich vil tumber ir tuon mînen kumber mit sange bekant, sô ist ez ein wunder, daz sî mich tuot under mit rede zehant. Swenne ich si hoere sprechen, sô ist mir alse wol, daz ich gesitze vil gar âne witze non weiz, war ich sol.
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Interpretation
Das Gedicht "XXVI. Mich wundert harte" von Heinrich von Morungen handelt von der tiefen Verwirrung und dem emotionalen Aufruhr, den der Sprecher durch die Liebe zu einer Frau erfährt. Der Titel deutet bereits auf ein Staunen und Verwundern hin, das den ganzen Text durchzieht. Im ersten Teil des Gedichts beschreibt der Sprecher seine Verwunderung darüber, wie die Frau, die er als zart und lieblich wahrnimmt, mit ihrem Lächeln und ihren Augen seine Sinne verwirrt. Die Frau scheint ihm mit ihrer sanften Art und ihrem guten Gemüt so tief ins Herz zu gehen, dass er sich krank und ungesund fühlt. Die Sprache ist voller Metaphern, die die Intensität seiner Gefühle verdeutlichen, wie zum Beispiel "die brach alse tougen" (die brach wie Tau), was die Sanftheit und Durchdringlichkeit ihrer Wirkung auf ihn ausdrückt. Im zweiten Teil des Gedichts geht es um die Reaktion des Sprechers auf die Frau, wenn er ihr seine Sorgen in Liedern vorträgt oder ihre Worte hört. Er ist erstaunt, wie sie ihm mit ihrer Rede beisteht und ihm Trost spendet. Die Wirkung ihrer Worte ist so stark, dass er sich wie betrunken fühlt, ohne jedoch zu wissen, was er tun soll. Die Metapher des "Sitzens ohne Witz" deutet auf eine Art Verzückung oder Verzauberung hin, die ihn handlungsunfähig macht. Insgesamt vermittelt das Gedicht ein Bild von der überwältigenden Macht der Liebe, die den Sprecher in einen Zustand der Verwirrung und des Staunens versetzt. Die Frau wird als eine Art Heilige oder Göttin dargestellt, deren bloße Anwesenheit und Worte den Sprecher in einen tranceähnlichen Zustand versetzen. Die Sprache ist dabei sehr bildhaft und metaphorisch, was die Intensität der Gefühle und die Tiefe der Verwirrung des Sprechers unterstreicht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- ir liehten ougen / diu hânt âne lougen / mich senden verwunt
- Hyperbel
- des bin ich ungesunt
- Metapher
- ir liehten ougen / diu hânt âne lougen / mich senden verwunt
- Personifikation
- Diu brach alse tougen / al in mîns herzen grunt
- Wiederholung
- Swenne ich vil tumber / ir tuon mînen kumber / mit sange bekant