XXIX.   Wie sol vröidelôser tage

Heinrich von Morungen

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I

Wie sol vröidelôser tage mir und sender jâre iemer werden rât? sô ist daz aber mîn hoehste klage, daz uns beide, an sange, an vröide, missegât. Sît daz diu werlt mit sorgen sô gar betwungen stât, maniger swîget nu, der doch dicke wol gesungen hât.

II

Ich was eteswenne vrô, dô mîn herze wânde nebent der sunnen stân. dur die wolken sach ich hô. nû muoz ich mîn ouge nider zer erde lân. Mich triuget alze sêre ein vil minneclîcher wân, sît daz ich von ir niht wan leit und herzeswaere hân.

III

Wil si vrömden mir dur daz, dazs ein lützel ist mit valscher diet behuot? dêst ein swacher vriundes haz, daz si mit den andern mir sô leide tuot. Ez hoeret niht ze liebe ein sô kranker vriundes muot. wil aber sî die huote alsô triegen, dâst uns beiden guot.

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Illustration zu XXIX.   Wie sol vröidelôser tage

Interpretation

Das Gedicht "XXIX. Wie sol vröidelôser tage" von Heinrich von Morungen thematisiert die tiefe Trauer und Sehnsucht des lyrischen Ichs nach verlorengegangener Freude und Liebe. Der Sprecher beklagt den Verlust von Glück und Gesang, der durch die Last der Sorgen und den Verrat einer geliebten Person entstanden ist. Die Welt erscheint ihm nun in einem düsteren und traurigen Licht, und er fühlt sich von seiner Umgebung entfremdet. Im ersten Teil des Gedichts beschreibt der Sprecher, wie er sich nach freudigen Tagen sehnt, die ihm nun verwehrt sind. Er beklagt den Verlust von Gesang und Freude, die einst seine Welt erfüllt haben. Die Welt ist von Sorgen gezeichnet, und viele, die einst fröhlich waren, schweigen nun. Der Sprecher fühlt sich von seiner Umgebung entfremdet und sehnt sich nach einer Rückkehr zu einer glücklicheren Zeit. Im zweiten Teil des Gedichts erinnert sich der Sprecher an eine Zeit, in der er glücklich war und sein Herz neben der Sonne stand. Doch nun muss er seinen Blick zu Boden senken, da er durch eine geliebte Person getäuscht wurde. Er fühlt sich von ihr verletzt und sehnt sich nach einer Rückkehr zu einer glücklicheren Zeit. Die Erinnerung an diese Zeit ist für ihn ein Trost, aber auch ein schmerzlicher Hinweis auf das, was er verloren hat. Im dritten Teil des Gedichts fragt sich der Sprecher, ob die geliebte Person ihm absichtlich Leid zufügt oder ob sie einfach nur vorsichtig ist. Er zweifelt an ihrer Treue und fühlt sich von ihr betrogen. Der Sprecher ist sich bewusst, dass seine Liebe zu ihr ungesund ist und dass er sie nicht mehr haben kann. Er bittet sie, ihre Vorsicht aufzugeben und zu ihm zurückzukehren, da er glaubt, dass dies für beide von Vorteil wäre.

Schlüsselwörter

daz dur niht wil vriundes sol tage sender

Wortwolke

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Stilmittel

Metapher
ein sô kranker vriundes muot
Personifikation
Sît daz diu werlt mit sorgen sô gar betwungen stât
Rhetorische Frage
Wie sol vröidelôser tage mir und sender jâre iemer werden rât?