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Wenn ich ein Bettelmann wär…

Von

Wenn ich ein Bettelmann wär
Käm ich zu Dir,
Säh Dich gar bittend an
Was gäbst Du mir? –

Der Pfennig hilft mir nicht
Nimm ihn zurück,
Goldner als golden glänzt
Allen Dein Blick;

Und was Du allen gibst
Gebe nicht mir
Nur was mein Aug begehrt
Will ich von Dir.

Bettler wie helf ich Dir? –
Sprächst Du nur so,
Dann wär im Herzen ich
Glücklich und froh.

Laufst auf Dein Kämmerlein
Holst ein Paar Schuh
Die sind mir viel zu klein,
Sieh einmal zu. –

Sieh nur wie klein sie sind
Drücken mich sehr,
Jungfrau süß lächelst Du
O gib mir mehr.

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Gedicht: Wenn ich ein Bettelmann wär... von Clemens Brentano

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Wenn ich ein Bettelmann wär…“ von Clemens Brentano ist eine zarte Liebeserklärung, die in der Form eines Dialogs zwischen einem lyrischen Ich, das sich als Bettler ausgibt, und einer geliebten „Jungfrau“ gestaltet ist. Die Verwendung des Bettler-Motivs ist hier nicht als tatsächliche Notlage zu verstehen, sondern als eine rhetorische Figur, um die Sehnsucht und die Ansprüche des Liebenden auf humorvolle und zugleich tiefgründige Weise auszudrücken. Der Bettler tritt mit demütiger Geste auf, erhofft sich jedoch mehr als materielle Gaben; er erstrebt die reine Aufmerksamkeit und das Wohlwollen der Angebeteten.

Die ersten Strophen zeigen die anfängliche Annäherung und das Abwägen der Bedürfnisse. Das lyrische Ich lehnt den Pfennig ab, da es die Schönheit und den Blick der Angebeteten als wertvoller erachtet. Die Ablehnung des materiellen Reichtums unterstreicht die Konzentration auf die emotionale Ebene der Liebe. Die Antwort auf die Frage des Bettlers deutet auf eine gegenseitige Zuneigung hin, die jedoch noch nicht vollständig erfüllt ist. Der Wunsch nach mehr, nach etwas, das über materielle Gaben hinausgeht, wird deutlich artikuliert.

Die folgenden Strophen nehmen eine spielerische Wendung, die die Sehnsucht des lyrischen Ichs verdeutlichen. Die „kleinen Schuhe“ sind eine Metapher für die Unzulänglichkeiten des Angebots der Jungfrau. Sie sind zu klein und drücken, symbolisieren somit die fehlende Erfüllung der Wünsche des Liebenden. Die „Jungfrau“ ist sich dessen bewusst und lächelt, was eine Mischung aus Verlegenheit und Freude über die kühnen Wünsche des Bettlers ausdrückt.

Brentanos Gedicht ist von einer leichten, spielerischen Atmosphäre geprägt, die durch die Verwendung von Reim und einfacher Sprache erzeugt wird. Die Verwendung von Fragen und direkten Antworten in Form eines Dialogs verleiht dem Gedicht einen lebendigen Charakter, der die Unmittelbarkeit der Gefühle unterstreicht. Der poetische Reiz liegt in der subtilen Verknüpfung von Demut und Anspruch, in der Betonung der Schönheit und des Blicks der Geliebten sowie in der spielerischen Art und Weise, die Sehnsucht nach mehr zu artikulieren. Es ist eine Liebeserklärung, die nicht auf große Worte oder materielle Gaben setzt, sondern die Wertschätzung und das Verständnis im Herzen der Liebenden sucht.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.