Wenn die Sonne weggegangen
1803Wenn die Sonne weggegangen, Kömmt die Dunkelheit heran, Abendroth hat goldne Wangen, Und die Nacht hat Trauer an.
Seit die Liebe weggegangen, Bin ich nun ein Mohrenkind, Und die rothen, frohen Wangen, Dunkel und verschlossen sind.
Dunkelheit muß tief verschweigen, Alles Wehe, alle Lust, Aber Mond und Sterne zeigen, Was ihr wohnet in der Brust.
Wenn die Lippen dir verschweigen Meines Herzens stille Gluth Müssen Blicke und Thränen zeigen, Wie die Liebe immer ruht.
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Interpretation
Das Gedicht "Wenn die Sonne weggegangen" von Clemens Brentano handelt von der tiefen Trauer und Dunkelheit, die nach dem Verlust der Liebe eintritt. Die Naturmetaphern von Sonnenuntergang und hereinbrechender Nacht spiegeln die innere Verwandlung des lyrischen Ichs wider, das einst fröhlich und "rothen, frohen Wangen" war, nun aber zur "Mohrenkind" geworden ist, deren Wangen "dunkel und verschlossen" sind. Die Liebe hat das lyrische Ich von innen heraus verdunkelt. Die zweite Strophe verdeutlicht den Kontrast zwischen dem äußeren Schein und den verborgenen Gefühlen. Während "Dunkelheit muß tief verschweigen, Alles Wehe, alle Lust", verraten der "Mond und Sterne" doch die wahren Empfindungen, die im Inneren wohnen. Das lyrische Ich kann seine Trauer nicht verbergen, sie bricht sich in seinen Blicken und Tränen Bahn. Im letzten Vers des Gedichts wird die ungebrochene Beständigkeit der Liebe betont. Auch wenn die Lippen des lyrischen Ichs die "stille Gluth" seines Herzens nicht aussprechen können, müssen sich die Liebe in seinen Blicken und Tränen zeigen. Die Liebe bleibt bestehen, auch wenn sie nicht mehr offen gezeigt werden kann. Sie ist wie ein ruhendes Feuer, das weiterhin glüht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Dunkel und verschlossen sind
- Bildsprache
- Meines Herzens stille Gluth
- Kontrast
- Alles Wehe, alle Lust
- Metapher
- Abendroth hat goldne Wangen
- Personifikation
- Wenn die Sonne weggegangen, Kömmt die Dunkelheit heran
- Symbolik
- Mond und Sterne zeigen, Was ihr wohnet in der Brust
- Vergleich
- Bin ich nun ein Mohrenkind