Wenn es stürmet auf den Wogen...
1816Wenn es stürmet auf den Wogen, Sitzt die Schifferin zu Haus, Doch ihr Herz ist hingezogen Auf die weite See hinaus,
Bei jeder Welle, die brandet Schäumend an Ufers Rand, Denkt sie, er strandet, er strandet, er strandet, Er kehret mir nimmer zum Land.
Bei des Donners wildem Toben Sitzt die Schäferin zu Haus, Doch ihr Herz, das schwebet oben In des Wetters wildem Saus.
Bei jedem Strahle, der klirrte Schmetternd durch Donners Groll, Denkt sie, mein Hirte, mein Hirte, mein Hirte Mir nimmermehr kehren soll.
Wenn es in dem Abgrund bebet, Sitzt des Bergmanns Weib zu Haus, Doch ihr treues Herz, das schwebet In des Schachtes dunklem Graus.
Bei jedem Stoße, der rüttet Hallend im dunkelem Schacht, Denkt sie, verschüttet, verschüttet, verschüttet Ist mein Knapp in der Erde Nacht.
Wenn die Feldschlacht tost und klirret, Sitzt des Kriegers Weib zu Haus, Doch ihr banges Herz, das irret In des Kampfes wilden Strauß.
Bei jedem Knall, jedem Hallen Der Stücke an Bergeswand Denkt sie gefallen, gefallen, gefallen Ist mein Held nun fürs Vaterland.
Aber fern schon über die Berge, Zogen die Wetter, der Donner verhallt, Horch wie die jubelnde, trunkene Lerche, Tireli, Tireli, siegreich erschallt.
Raben zieht weiter! Himmel wird heiter, Dringe mir, dringe mir, Sonne hervor!
Jubelnde Lerche, Über die Berge, Singe mir, singe mir, Wonne ins Ohr.
Mit Zipreß und Lorbeer kränzet Sieg das freudig ernste Haupt, Herr! wenn er mir niederglänzet Mit dem Trauergrün umlaubt!
Dann sternlose Nacht sei willkommen, Der Herr hat gegeben den Stern, Der Herr hat genommen, genommen, genommen, Gelobt sei der Wille des Herrn!
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Interpretation
Das Gedicht "Wenn es stürmet auf den Wogen" von Clemens Brentano thematisiert die Ängste und Sorgen von Frauen, die auf ihre Männer warten. In vier Strophen werden verschiedene Szenarien beschrieben, in denen Frauen zu Hause sitzen, während ihre Männer draußen Gefahren ausgesetzt sind - auf dem Meer, auf der Weide, im Bergwerk und auf dem Schlachtfeld. Die Frauen sorgen sich um das Wohl ihrer Liebsten und fürchten sich vor dem Schlimmsten. Die fünfte Strophe bringt dann eine Wende. Die Gefahr ist vorüber, die Natur erfreut sich am Sonnenschein und die Lerche jubiliert. Dies symbolisiert die Erleichterung und Freude der Frauen, wenn ihre Männer wohlbehalten nach Hause zurückkehren. Die letzten beiden Strophen thematisieren den Glauben an Gott und das Schicksal. Die Frauen danken dem Herrn für die Rückkehr ihrer Liebsten und akzeptieren auch seinen Willen, sollte ihnen etwas zustoßen. Insgesamt vermittelt das Gedicht die tiefe Verbundenheit und Fürsorge der Frauen für ihre Männer sowie die Erleichterung und Dankbarkeit, wenn die Gefahr vorüber ist. Brentano nutzt dabei eindrückliche Bilder und Metaphern, um die Emotionen der Frauen nachvollziehbar zu machen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Bei jedem Knall, jedem Hallen
- Epipher
- genommen, genommen, genommen
- Metapher
- In des Kampfes wilden Strauß
- Personifikation
- Die Feldschlacht tost und klirret
- Symbolik
- Der Herr hat genommen, genommen, genommen