Unstet in meinen Schritten
Unstet in meinen Schritten,
Herr, hab ich oft gefehlt,
Du hast durch mich gelitten,
Ach! Wunden ungezählt.
Laß mich nicht lang mehr wallen,
Führ mich an deiner Hand,
Wo ich nicht mehr kann fallen,
Heim in dein Vaterland.
Laß nicht mein Herz erkalten,
Herr Jesu! du allein
Mach Wesen aus Gestalten,
Und führ den Schein ins Sein.
Es bleichten meine Tränen
Den Schleier nimmer rein,
Herr, schenke meinem Sehnen
Der Gnade Sonnenschein.
Herr, werfe mir herüber
Ein Blatt aus deinem Kranz,
Geschmückt darf ich hinüber
Dann in der Bräute Glanz.
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Unstet in meinen Schritten“ von Clemens Brentano ist ein Gebet, das von tiefer Reue, dem Wunsch nach Erlösung und dem Glauben an die Barmherzigkeit Gottes geprägt ist. Der Dichter spricht direkt Gott an und bekennt seine Fehler und Sünden, wobei er sich der Last der Vergangenheit bewusst ist. Das Gedicht thematisiert die menschliche Unvollkommenheit, die durch das „Unstet sein“ und das „oft Gefehlt haben“ symbolisiert wird, und stellt diese der göttlichen Vollkommenheit gegenüber. Die Zeilen sind von einem tiefen Verlangen nach spiritueller Führung und dem Wunsch nach ewiger Heimkehr durchdrungen.
In den ersten beiden Strophen dominiert das Motiv der Reue und der Bitte um Führung. Der Beter erkennt seine Sünden an und bittet Gott um Vergebung und Beistand, damit er nicht weiter „wallen“ muss, also ziellos umherirrt. Die Metapher der Hand Gottes, die ihn führt, steht für die Hoffnung auf einen sicheren Weg und die Sehnsucht nach der Erlösung, die im „Vaterland“ – dem Himmelreich – gefunden werden soll. Dies drückt den Wunsch nach einer festen Grundlage im Glauben und die Abwendung von der Weltlichkeit aus.
Die dritte und vierte Strophe vertiefen das Gebet, indem sie die Notwendigkeit der Verwandlung des Herzens und die Sehnsucht nach göttlicher Gnade hervorheben. Brentano bittet um die Erwärmung des Herzens, um die Abkehr von der Kälte der Welt und die Hinwendung zur Liebe Gottes. Die Zeilen „Mach Wesen aus Gestalten, / Und führ den Schein ins Sein“ drücken den Wunsch nach einer tiefgreifenden inneren Wandlung aus, nach der Überwindung der äußeren Erscheinung und dem Erreichen des wahren Wesens der Dinge durch die Gnade Gottes. Das Bild der bleichenden Tränen und des Sonnenscheins der Gnade verdeutlicht die Unfähigkeit des Menschen, sich aus eigener Kraft zu reinigen, und die Notwendigkeit der göttlichen Zuwendung.
Die letzte Strophe ist von dem tiefen Wunsch nach der Teilhabe an der ewigen Seligkeit geprägt. Der Beter bittet um ein „Blatt aus deinem Kranz“, ein Zeichen der Gnade und der Zugehörigkeit. Die Vorstellung, „in der Bräute Glanz“ hinüberzugehen, bezieht sich auf die Hochzeit des Lammes und die Vereinigung der Seele mit Gott im Paradies. Das Gedicht endet mit einer tiefen Hoffnung auf Erlösung und ewiges Leben, einer Sehnsucht, die durch das ganze Gebet hindurch spürbar ist. Das Gedicht ist somit ein Ausdruck von tiefer Frömmigkeit, Reue, Hoffnung und dem festen Glauben an die Erlösung durch Gott.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.