Unter des lebenden...
1794Unter des lebenden Grünenden Tempels Flüsternde Hallen Komme ich irrend.
Wie sich die Eiche Himmelwärts türmet Wie in dem Gipfel Ruhet des Mächtigen Jupiters Fuß.
Und in dem Herzen Fühl ich die Nähe Heiliger Wesen, Die durch die Zweige Zu dem Olympos Wandeln empor.
Führt mich ihr friedlichen Geister des Haines, Die mich umschweben Lachend und rufend, Führt mich zurück.
Irrende, flüchtige, Tönende Geister, Die ihr mit schäkernden Lispelnden Worten Irr mich geführt.
Hier wo in mondlichen Nächten ihr rauschet, Und um die wohnsame Herrliche Eiche Tanzend euch schwingt.
Wo ich im Taue Freudigen Grases Von euren flüchtigen Goldenen Sohlen Ehre die Spur. -
Hört mich ihr freundlichen, Die ihr verlorene Götter gepfleget, Die ihr die fliehende Daphne umarmt.
Frohe, geheime, Lindernde Geister, Die in des Waldes Rührigen Schauer Weben den Trost.
Mächtige, lebende, Stärkende Geister, Die in der Stämme Alter und Jugend Bilden die Kraft.
Wenn ich je frevlend Eure geheiligten Stämme verletzet, O! so verdorre Welkend die Hand.
Nimmer auch höhnt ich Echo die Jungfrau, Die mit euch wohnet, Teilt ihr vertraulich Liebe und Schmerz.
Führet mich heimwärts! Bin nur ein Wandrer, Bin kein Unsterblicher, Der mit ambrosischen Bissen sich nährt.
Wisset mich hungert, Führet mich heimwärts, Daß ich dem Freunde Von der Dryaden Hülfreicher Güte Bringe die Mär.
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Interpretation
Das Gedicht "Unter des lebenden Grünenden Tempels" von Clemens Brentano beschreibt die tiefe spirituelle Verbindung des lyrischen Ichs zur Natur, insbesondere zum Wald. Es begibt sich in den heiligen Hain, der als Tempel der Natur dargestellt wird, und fühlt die Anwesenheit göttlicher Wesen. Die Eiche wird als Symbol für die Stärke und Erhabenheit der Natur verehrt, wobei sie mit dem Fuß des Jupiters verglichen wird, was die göttliche Präsenz im Wald unterstreicht. Das lyrische Ich fühlt sich von den friedlichen Geistern des Hains umgeben, die es einladen, mit ihnen zu wandeln. Doch diese Geister werden auch als irrende und flüchtige Wesen beschrieben, die das Ich in die Irre führen. Die Natur wird als Ort der Verzauberung und des Geheimnisvollen dargestellt, wo die Geister in mondlichen Nächten rauschen und um die Eiche tanzen. Das Ich ehrt die Spuren der Geister im Tau des Grases, was die Ehrfurcht vor der vergänglichen Schönheit der Natur ausdrückt. Am Ende des Gedichts bittet das lyrische Ich die Geister, es zurück nach Hause zu führen. Es erkennt sich selbst als Wanderer, der nicht unsterblich ist und sich von irdischer Nahrung ernährt. Das Ich sehnt sich danach, die Geschichten von der hilfreichen Güte der Dryaden, der Baumgeister, seinem Freund zu erzählen. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Sehnsucht nach der menschlichen Gemeinschaft und dem Wunsch, die Erfahrungen aus der Natur mit anderen zu teilen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Hört mich ihr freundlichen
- Anrufung
- Führt mich ihr friedlichen Geister des Haines
- Bildsprache
- Ruhet des Mächtigen Jupiters Fuß
- Fluch
- O! so verdorre Welkend die Hand
- Kontrast
- Bin nur ein Wandrer, Bin kein Unsterblicher
- Metapher
- Von der Dryaden Hülfreicher Güte Bringe die Mär
- Personifikation
- Die in der Stämme Alter und Jugend Bilden die Kraft
- Symbolik
- Heiliger Wesen
- Vergleich
- Wie sich die Eiche Himmelwärts türmet