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Sommerelegie

Von

Sommer. Ich bin so müde.
Alles noch braun und leer.
Förster mit Büchse und Rüde.
Jagd über Moore und Meer.

Möwen in silbernen Binsen.
Alpen gezahnt und gezackt.
Sterbende Hasen linsen
In den Mondkatarakt.

Schöner Falter im Himmel,
Sieh, mir versagt der Blick,
Deiner Flüge Gewimmel
Fällt in sich selber zurück.

Kühe, die niemand melkte,
Mit dem Euter so fahl,
Und das verwölkte, verwelkte,
Göttliche Bacchanal –

Deutschland ist untergegangen
In einem Bad von Stahl.
Heraldische Drachen und Schlangen
Beten zum biblischen Baal.

Ein blühender Weidenstengel
Erschlägt diese ganze Welt.
Schlafe, mein Stahlbadeengel,
Schlaf, Nie-gelungen-Held.

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Sommerelegie von Klabund

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Sommerelegie“ von Klabund zeichnet ein verstörendes Bild der Welt, das von Müdigkeit, Leere und dem Gefühl des Untergangs geprägt ist. Der Beginn des Gedichts, der den Sommer in seiner trüben und leeren Erscheinung darstellt, legt den Grundton für eine deprimierende Atmosphäre. Die Natur, die normalerweise mit Leben und Freude assoziiert wird, wird hier durch Bilder wie „Förster mit Büchse und Rüde“ und „Sterbende Hasen“ mit Gewalt und Tod in Verbindung gebracht. Dies erzeugt ein Gefühl von Verlorenheit und Verzweiflung, das durch die folgenden Strophen noch verstärkt wird.

Die zweite Hälfte des Gedichts wechselt von der Beobachtung der Natur zu einer direkteren Auseinandersetzung mit dem Zustand Deutschlands. Die Zeilen „Deutschland ist untergegangen / In einem Bad von Stahl“ sind ein klarer Hinweis auf die Kriegserfahrung des Autors, vermutlich den Ersten Weltkrieg. Die „heraldischen Drachen und Schlangen“ und die Erwähnung von Baal, einem heidnischen Gott, deuten auf eine Entmenschlichung und den Verlust traditioneller Werte hin. Die Natur, repräsentiert durch Bilder wie „blühender Weidenstengel“, wird hier zum Zeichen des Untergangs und der Ohnmacht.

Die Verwendung von Bildern wie dem „Mondkatarakt“ und dem „Göttlichen Bacchanal“ zeugt von einer surrealen und verzerrten Wahrnehmung der Welt. Diese Bilder tragen dazu bei, die allgemeine Atmosphäre der Hoffnungslosigkeit zu verstärken. Der Falter, der mit seiner Unbeschwertheit und Schönheit eigentlich Trost spenden könnte, ist dem Autor nicht zugänglich. Sein „Flüge Gewimmel“ fällt in sich selber zurück, was die Hoffnungslosigkeit der Situation verdeutlicht.

Das Gedicht endet mit einer Aufforderung zum Schlaf, sowohl an den „Stahlbadeengel“ als auch an den „Nie-gelungen-Held“. Diese Zeilen lassen sich als eine Art resignierte Verabschiedung von der Welt verstehen. Es ist eine Aufforderung, dem Schrecken zu entfliehen. Der Titel „Sommerelegie“ suggeriert einen Abschied von einer Zeit des Lebens, die vielleicht einst Hoffnung und Freude bot, nun aber nur noch von Müdigkeit und dem Gefühl des Verlustes geprägt ist.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.