Sommerabende, ihr lauen
Sommerabende, ihr lauen,
Bettet mich auf eure Kissen,
Laßt in Fernen, dunkelblauen,
Meiner Träume Wimpel hissen.
Stunden, die am Tag sich placken,
Feiern nächtlich froh verwegen,
Und ich fühl um meinen Nacken
Zärtlich sich zwei Arme legen.
Ist die Seele liebeswund?
Heißren Atem haucht der Flieder,
Und der rote Himmelsmund
Neigt sich üppig zu mir nieder.
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Sommerabende, ihr lauen“ von Klabund ist eine lyrische Beschwörung der Schönheit und Sinnlichkeit des Sommers, eingebettet in eine persönliche Erfahrung der Sehnsucht und des Verlangens. Es zeichnet sich durch eine klare Struktur aus, die die Entwicklung von Sehnsucht und Annäherung an ein erotisches Gefühl nachvollziehbar macht.
Die ersten beiden Strophen etablieren die Atmosphäre. Die „Sommerabende“ werden personifiziert und zu Bettgestätten, die den lyrischen Sprecher einladen, seine Träume zu entfalten. Es herrscht eine Atmosphäre der Weite und der Freiheit („Laßt in Fernen, dunkelblauen, / Meiner Träume Wimpel hissen“). Die zweite Strophe führt die nächtliche Feier ein, die im Gegensatz zur anstrengenden Arbeit des Tages steht. Hier wird die körperliche Präsenz einer Umarmung angedeutet, was die Stimmung von einer diffusen Sehnsucht in eine konkretere, sinnlichere Richtung lenkt („Und ich fühl um meinen Nacken / Zärtlich sich zwei Arme legen.“).
Die dritte Strophe verdichtet die vorherige Atmosphäre. Die Seele wird als „liebeswund“ bezeichnet, was auf einen emotionalen Zustand der Verletzlichkeit und des Verlangens hindeutet. Die Natur selbst wird in den Liebesakt miteinbezogen, denn der „heiße Atem“ des Flieders und der „rote Himmelsmund“, der sich niederbeugt, verstärken die sinnliche Erfahrung. Der Himmel und die Natur werden hier zu einer erotischen Kulisse, die das Ich umfängt und in einen Zustand der Hingabe versetzt.
Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Erfahrung der Sehnsucht, des Aufbruchs und der Sinnlichkeit. Klabund verwendet klare Bilder und einfache Sprache, um die emotionale Reise des Sprechers darzustellen. Die Personifizierung des Sommerabends, die Betonung des nächtlichen Feierns und die sinnliche Darstellung der Natur tragen dazu bei, die Atmosphäre von Verlangen und Annäherung zu erzeugen. Das Gedicht ist ein Zeugnis der Sehnsucht nach Liebe und der Verschmelzung mit der sinnlichen Welt.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.