O lieber Gott, so mild und lind…
O lieber Gott, so mild und lind,
Du schließest mit Erbarmen
Die Kinder all, die Waisen sind,
In deine Vaterarmen.
Siehst nieder in der stillen Nacht
Mit tausend kleinen Sternen,
Und wo dein freundlich Auge wacht,
Muß sich der Feind entfernen.
Drum fasse Mut, du Menschenkind,
Verlier dich nicht im Dunkeln,
Die Lichter ja am Himmel sind
Um tröstlich dir zu funkeln.
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „O lieber Gott, so mild und lind…“ von Clemens Brentano ist eine zarte, tröstende Dichtung, die sich an Kinder und insbesondere an Waisen richtet. Es strahlt eine tiefe Vertrautheit mit dem kindlichen Empfinden aus und bietet Trost in Momenten der Verzweiflung und des Zweifels. Die Verwendung einfacher, eingängiger Worte und Reime macht das Gedicht leicht zugänglich und einprägsam, wodurch es seine tröstende Wirkung noch verstärkt.
Das Gedicht beginnt mit einer direkten Anrede an Gott, der hier als „mild und lind“ beschrieben wird, um sofort eine Atmosphäre von Geborgenheit und Schutz zu etablieren. Die Vorstellung, dass Gott die Kinder „in deine Vaterarmen“ schließt, vermittelt ein Gefühl der Sicherheit und des Schutzes, das besonders für Waisenkinder von Bedeutung ist. Die zweite Strophe verstärkt diesen Eindruck, indem sie das Bild einer nächtlichen Szene entwirft, in der Gott mit „tausend kleinen Sternen“ herabschaut. Dies verleiht dem göttlichen Blick eine allgegenwärtige und tröstende Qualität. Die Zeile „Muß sich der Feind entfernen“ suggeriert, dass Gott eine schützende Kraft darstellt, die negative Einflüsse abwehrt.
Die dritte Strophe ist eine direkte Ermutigung an das „Menschenkind“, also an den Leser selbst, Mut zu fassen und sich nicht im Dunkeln zu verlieren. Das „Dunkel“ steht hier symbolisch für Angst, Trauer und Verzweiflung. Die „Lichter am Himmel“, also die Sterne, werden als Trostspender dargestellt, die „funkeln“, um dem Menschenkind Hoffnung zu geben. Diese Bilder sind einfach, aber wirkungsvoll und vermitteln eine Botschaft der Zuversicht und des Glaubens.
Insgesamt ist das Gedicht eine Ode an die kindliche Seele und den tröstenden Glauben. Es ist ein Appell an das Vertrauen in die göttliche Fürsorge, der in schwierigen Zeiten Halt und Orientierung geben kann. Die Einfachheit der Sprache und die klaren Bilder machen es zu einem zeitlosen Werk, das bis heute seine tröstende Wirkung bewahrt hat. Es ist ein Gedicht, das von Brentanos tiefem Verständnis für die menschliche Sehnsucht nach Geborgenheit und Trost zeugt.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.