Nun, gute Nacht! mein Leben...

Clemens Brentano

1842

Nun, gute Nacht! mein Leben, Du alter, treuer Rhein! Deine Wellen schweben Klar im Sternenschein; Die Welt ist rings entschlafen, Es singt den Wolkenschafen Der Mond ein Lied.

Der Schiffer schläft im Nachen Und träumet von dem Meer; Du aber du mußt wachen Und trägst das Schiff einher; Du führst ein freies Leben, Durchtanzest bei den Reben Die ernste Nacht.

Wer Dich gesehn, lernt lachen; Du bist so freudenreich, Du labst das Herz der Schwachen Und machst den Armen reich, Du spiegelst hohe Schlösser, Und füllest große Fässer Mit edlem Wein.

Auch manchen lehrst du weinen, Dem du sein Lieb entführt, Gott wolle die vereinen, Die solche Sehnsucht rührt; Sie irren in den Hainen Und von den Echosteinen Erschallt ihr Weh.

Und manchen lehret beten Dein tiefer Felsengrund; Wer dich im Zorn betreten, Den ziehst du in den Schlund; Wo deine Strudel brausen, Wo deine Wirbel sausen, Da beten sie.

Mich aber lehrst du singen, Wenn dich mein Aug ersieht, Ein freudeselig Klingen Mir durch den Busen zieht; Treib fromm nur meine Mühle, Jetzt scheid ich in der Kühle Und schlummre ein.

Ihr lieben Sterne decket Mir meinen Vater zu, Bis mich die Sonne wecket, Bis dahin mahle du; Wird′s gut, will ich dich preisen, Dann sing in höhern Weisen Ich dir ein Lied.

Nun werf ich dir zum Spiele Den Kranz in deine Flut, Trag ihn zu seinem Ziele, Wo dieser Tag auch ruht; Gut Nacht! ich muß mich wenden, Muß nun mein Singen enden, Gut Nacht! mein Rhein!

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Illustration zu Nun, gute Nacht! mein Leben...

Interpretation

Das Gedicht "Nun, gute Nacht! mein Leben..." von Clemens Brentano ist eine poetische Hommage an den Rhein, der als Lebensader und Symbol für Freiheit und Freude dargestellt wird. Der Dichter personifiziert den Fluss und spricht ihn direkt an, wobei er ihn als treuen Begleiter und Quelle der Inspiration sieht. Die Nachtstimmung wird durch den Sternenschein und den Gesang des Mondes eingeleitet, was eine ruhige und meditative Atmosphäre schafft. Brentano beschreibt den Rhein als einen Fluss, der sowohl Lachen als auch Weinen lehrt. Er spiegelt die Schönheit der Landschaft wider und bringt den Menschen Freude und Wohlstand. Gleichzeitig ist er auch ein Ort der Sehnsucht und des Schmerzes für diejenigen, die ihre Liebsten verloren haben. Der Fluss wird als ein Ort der Besinnung und des Gebets dargestellt, wo man zur Ruhe kommen und über das Leben nachdenken kann. Das Gedicht endet mit einer persönlichen Note, in der der Dichter seine eigene Beziehung zum Rhein beschreibt. Er dankt dem Fluss dafür, dass er ihn zum Singen inspiriert und ihm Freude bereitet. Der Dichter wünscht sich, dass der Rhein ihn auch im Schlaf begleitet und ihm im nächsten Leben noch höhere Lieder singen wird. Mit den Worten "Nun, gute Nacht! mein Rhein!" verabschiedet er sich von dem Fluss und beendet das Gedicht in einer friedlichen und harmonischen Stimmung.

Schlüsselwörter

nacht gut leben rhein lied manchen lehrst beten

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Stilmittel

Alliteration
Du führst ein freies Leben, / Durchtanzest bei den Reben
Anapher
Gut Nacht! ich muß mich wenden, / Muß nun mein Singen enden, / Gut Nacht! mein Rhein!
Bildsprache
Wo deine Strudel brausen, / Wo deine Wirbel sausen
Hyperbel
Du labst das Herz der Schwachen / Und machst den Armen reich
Kontrast
Auch manchen lehrst du weinen, / Dem du sein Lieb entführt
Metapher
Der Mond ein Lied
Personifikation
Du alter, treuer Rhein! / Deine Wellen schweben / Klar im Sternenschein
Symbolik
Du spiegelst hohe Schlösser