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Nachtigall, ich hör dich singen…

Von

Nachtigall, ich hör dich singen
′s Herz im Leib möcht mir zerspringen,
Komme doch und sag mir bald,
Wie sich alles hier verhalt′.
Nachtigall, ich seh dich laufen,
An dem Bächlein tust du saufen,
Tunkst hinein dein Schnäbelein,
Meinst es sei der beste Wein!
Nachtigall, wohl ist gut wohnen
In der Linde grünen Kronen,
Bei dir, lieb Frau Nachtigall,
Küß dich Gott viel tausendmal!

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Gedicht: Nachtigall, ich hör dich singen... von Clemens Brentano

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Nachtigall, ich hör dich singen…“ von Clemens Brentano ist ein kurzes, inniges Naturgedicht, das durch seine schlichte Sprache und emotionale Direktheit besticht. Es fängt eine melancholische Stimmung ein, die sich in der Sehnsucht nach Trost und dem Wunsch nach einer Antwort auf die eigene Befindlichkeit äußert. Der Sprecher wendet sich in direkter Ansprache an die Nachtigall, einem Symbol für Natürlichkeit und unbeschwertes Singen.

Die erste Strophe drückt die unmittelbare Wirkung des Nachtigallgesangs aus. Das „Herz“ des Sprechers „möcht mir zerspringen“, was auf eine tiefe innere Unruhe und ein Gefühl der Beklemmung hinweist. Die Frage „Wie sich alles hier verhalt'“ deutet auf ein allgemeines Unbehagen und den Wunsch nach Klarheit und Orientierung in der Welt. Die Nachtigall wird hier als eine Art Orakel oder Vertraute angerufen, die Antworten geben oder zumindest Trost spenden soll.

In der zweiten Strophe wird die Beobachtung der Nachtigall in ihrer natürlichen Umgebung fortgesetzt. Sie läuft und trinkt aus dem Bächlein, wobei der Sprecher ihre Tätigkeit als unbeschwert und freudvoll wahrnimmt. Die Metapher vom „Schnäbelein“ und dem „Wein“ verstärkt das Bild der Genussfreude und der einfachen Befriedigung elementarer Bedürfnisse, die dem Sprecher offensichtlich fehlen. Diese Gegenüberstellung von Naturidylle und eigener innerer Zerrissenheit verstärkt das Gefühl der Sehnsucht.

Die letzte Strophe, die mit einem Lob der Nachtigall endet, unterstreicht die Sehnsucht nach Harmonie. Das Wohnen in der „Linde grünen Kronen“ wird als erstrebenswerter Zustand dargestellt, der durch die Natürlichkeit des Lebens und das unbeschwerte Dasein der Nachtigall repräsentiert wird. Der Segenswunsch „Küß dich Gott viel tausendmal!“ ist Ausdruck von Zuneigung und Bewunderung. Insgesamt ist das Gedicht ein Ausdruck von Sehnsucht nach Harmonie und Trost, der in der Natur und ihrer unbeschwerten Lebensweise gefunden werden kann.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.