Logo der Website, Schriftzug "Poesie Oase" mit Palmen umrandet.
, , , , , ,

Nach schwerem Traum

Von

Ich bin Soldat und steh im Feld
Und weiß von niemand in der Welt.
Drum kann ich diesen Regentag nicht feiern,
So kummerzärtlich, feucht und bleiern,
Da mir dein Bild zur Nacht den Schlaf zerschlug
Und mich in deine Nähe trug.

Ich bin Soldat und steh im Feld,
Gewehr im Arm, und fern der Welt.
Wär ich zu Haus, ich schlösse Tür und Scheiben
Und wollte lange einsam bleiben;
Im Sofawinkel sitzend mich versenken,
Geschlossnen Auges deiner denken.

Ich bin Soldat im trüben Feld.
Hier endet alte Menschenwelt.
Der Regen singt, die nassen Strähnen fließen.
Ich kann nichts tun – nur Blei verschießen.
Weiß nicht warum, tu′s doch als ob ich′s muß:
Ins graue Wetter kracht ein Schuß!

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Nach schwerem Traum von Gerrit Engelke

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Nach schwerem Traum“ von Gerrit Engelke ist eine melancholische Reflexion über Isolation, Sehnsucht und die Erfahrung des Krieges, eingebettet in die Perspektive eines Soldaten. Es beginnt mit einer klaren Feststellung der Einsamkeit und Entfremdung, die der Ich-Erzähler in der Kriegsrealität erfährt. Die Metaphern des „Regentags“ und des „bleiernen“ Gefühls deuten auf eine schwere, drückende Stimmung, die durch die Erinnerung an eine geliebte Person noch verstärkt wird. Das Bild, das ihm nachts den Schlaf raubt, deutet auf eine tiefe emotionale Verbindung, die im Kontrast zur kalten, distanzierten Umgebung des Krieges steht.

Der zweite Teil des Gedichts vertieft die Sehnsucht nach einer Zuflucht, nach einem Ort der Geborgenheit und der Erinnerung. Die Vorstellung, zu Hause zu sein, die Tür und Scheiben zu schließen und in stiller Kontemplation der geliebten Person zu gedenken, zeichnet ein Bild von Rückzug und innerer Einkehr. Die Anspielung auf das „Sofawinkel“ suggeriert Gemütlichkeit und Sicherheit, ein starker Kontrast zur harten Realität des Schlachtfelds. Hier wird die Tragik des Soldatenlebens deutlich: Die Möglichkeit, das eigene Gefühlsleben zu pflegen und der Sehnsucht nachzugehen, wird durch die Umstände des Krieges verunmöglicht.

Im abschließenden Abschnitt wird die Verzweiflung des Soldaten greifbar. Die Zeile „Hier endet alte Menschenwelt“ ist ein starkes Bild der Zerstörung und der Entfremdung von menschlichen Werten, die der Krieg mit sich bringt. Die Natur, repräsentiert durch den Regen, wird zu einem Ausdruck der Traurigkeit. Die Unfähigkeit, etwas anderes zu tun als zu „Blei verschießen“, symbolisiert die Ohnmacht des Einzelnen angesichts der Gewalt und des sinnlosen Geschehens. Der Schuss, der ins graue Wetter kracht, ist ein verzweifelter Akt, der die innere Zerrissenheit und die Hoffnungslosigkeit des Soldaten zum Ausdruck bringt.

Das Gedicht ist somit ein ergreifender Ausdruck der menschlichen Erfahrung im Krieg. Es zeigt die Zerrissenheit zwischen dem Wunsch nach Liebe, Geborgenheit und Erinnerung und der brutalen Realität von Gewalt, Isolation und Sinnlosigkeit. Engelke gelingt es, mit einfachen Worten und eindringlichen Bildern ein tiefes Gefühl von Melancholie und Verzweiflung zu erzeugen, das den Leser berührt und zum Nachdenken anregt.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.