Mittags unterm Baume liegend
1914Kastanie du – Gnädig entzückt, Tragend flimmernde Hitze und Sonne, Fächelst du lächelnd Breitschweifende Zweige, Grünblättergehände mir zu; Festlich die traubigen Kerzen, Weißstrahlenden Lichtes Ins Grüne und Blaue gesteckt.
Wieder, wie lange schon nicht, Daß mein Haar sich in Blumen verfing, Die Schultern sich drückten ins Gras, Spielst du mir Lichter Über geschlossene Lider, Darunter die Augen Ertrunken und traumtief erstaunen. Flatternde Schatten Fallen mit über die glühende Stirn Kühlend und streichelnd und gut.
Kichernd kitzeln Halme im Nacken – Durch den brennenden Schlummer Haucht mir ins Ohr nur Ein Klang vom gemächlichen Wind. Und ein herschwankender Wagen, Mahlend im quirlenden Staub, Bringt mit dem Dufte Von schweißglänzenden Pferden und süßlichem Heu All den Ruch und die Sonne Des Sommers.
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Interpretation
Das Gedicht "Mittags unterm Baume liegend" von Gerrit Engelke ist eine sinnliche und poetische Beschreibung eines Sommertages unter einer Kastanie. Der Sprecher liegt im Schatten des Baumes und lässt sich von der Natur umgeben und durchdrungen fühlen. Die Kastanie wird als eine gnädige und entzückte Gestalt personifiziert, die dem Sprecher mit ihren Zweigen und Blättern Schutz und Erfrischung bietet. Die Blütenkerzen werden als festliche Lichter ins Grüne und Blaue gesteckt, die den Sprecher anstrahlen und blenden. Das Gedicht vermittelt auch eine Stimmung der Entspannung und des Träumens, die der Sprecher unter dem Baum erfährt. Er erinnert sich an eine längst vergangene Zeit, in der er sich auch schon einmal im Gras verfangen und geblendet gefühlt hat. Er schließt die Augen und lässt sich von den flackernden Schatten über die Stirn streicheln, die ihn kühl und gut tun. Er hört das Kichern der Halme im Nacken und das Rauschen des Windes im Ohr, das ihn aus dem brennenden Schlummer weckt. Er öffnet die Augen und sieht einen Wagen vorbeifahren, der den Duft von Pferden und Heu mit sich bringt. Dieser Duft erinnert ihn an den ganzen Ruch und die Sonne des Sommers, die ihn umgeben und durchdringen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Halme im Nacken
- Assonanz
- Daß mein Haar sich in Blumen verfing
- Metapher
- Weißstrahlenden Lichtes Ins Grüne und Blaue gesteckt
- Personifikation
- Kastanie du – Gnädig entzückt, Tragend flimmernde Hitze und Sonne, Fächelst du lächelnd Breitschweifende Zweige, Grünblättergehände mir zu
- Synästhesie
- All den Ruch und die Sonne Des Sommers