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La Vierge aux Rochers

Von

Dicht von Felsen eingeschlossen,
Wo die Jordansquellen gehn,
Wo die stillen Blumen sprossen,
Ist Johannes hier zu sehn.

Sinnend, in die Ferne zeigend
Sitzt er an der Quelle Rand
Und sein Engel lenket schweigend
Nach demselben Ziel die Hand.

Und wir sehen bei ihm knien,
Die er nur prophetisch schaut,
Jesum Christum und Marien,
Kirche, Bräutigam und Braut.

Jesus beugt sich schon entgegen
Händefaltend jener Flut,
Die auf unbereiten Wegen
Jetzt noch Sklavendienste tut.

Prüfend ihre Hand ausstrecket
Schon des heiligen Geistes Braut,
Ob, der sie zuerst erwecket,
Ob der Segen niedertaut.

Und der Felsen und die Blume
Und die Quelle ahnden still,
Daß zu seinem Heiligtume
Gott sie all gebrauchen will.

Auf den Fels die Kirche bauen,
Mit der Flut uns waschen rein,
Und der Lilie will vertrauen,
Wie er liebt das Jungfräulein.

Sieh, ein jedes tut das seine,
Und so laß uns Buße tun,
Bis zum Bau vereint wir Steine
All am siebten Tage ruhn.

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: La Vierge aux Rochers von Clemens Brentano

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „La Vierge aux Rochers“ von Clemens Brentano entfaltet eine Szene religiöser Kontemplation, in der zentrale Figuren des christlichen Glaubens – Johannes der Täufer, Jesus Christus und Maria – in einer symbolträchtigen Naturkulisse vereint werden. Die „Dicht von Felsen eingeschlossen“ beschreibt die Szenerie einer durch Felsen geschützten Gegend, in der das Wasser des Jordans entspringt und Blumen blühen. Diese Naturbilder schaffen eine Atmosphäre der Stille und Erhabenheit, die den Hintergrund für die heilige Begegnung bildet. Johannes, dargestellt als zentrale Figur, deutet mit seinem Blick in die Ferne und dem Finger auf das Ziel, als der Wegbereiter und Wegweiser für die anderen Figuren.

Die im Gedicht beschriebene Begegnung hat eine tiefe symbolische Bedeutung. Jesus und Maria werden von Johannes prophetisch erblickt. Die Beschreibung von Jesus, der sich „Händefaltend jener Flut“ zuwendet, deutet auf seine bevorstehende Taufe und die Erlösung der Menschheit hin. Maria, als „Braut des heiligen Geistes“, streckt prüfend ihre Hand aus, um den Segen zu empfangen und zu verteilen. Diese Interaktionen repräsentieren die zentrale Glaubenslehre des Christentums: die Reinigung von Sünden durch das Wasser der Taufe und die Gnade des Heiligen Geistes.

Brentano nutzt die Elemente der Natur – Felsen, Blumen und Quelle – um die religiösen Botschaften zu verstärken. Der Fels wird zum Fundament der Kirche, das Wasser zur Reinigung und die Lilie zum Symbol der Reinheit und der Beziehung zwischen Gott und der Seele. Diese Symbolik deutet auf die tiefe Verbindung zwischen Natur und Spiritualität hin, in der die natürliche Welt die göttliche Ordnung widerspiegelt und zum Ort der Offenbarung wird. Das Gedicht mündet in der Aufforderung zur Buße und zur Vereinigung aller Gläubigen als Steine im Bau der Kirche, um am „siebten Tage“ – dem Tag der ewigen Ruhe – zusammenzukommen.

Die sprachliche Gestaltung des Gedichts unterstützt die Botschaft durch ihre Bildhaftigkeit und ihren feierlichen Ton. Die Verwendung von Reimen und die klare Struktur des Textes erzeugen einen meditativen Rhythmus. Die Bilder der Natur, kombiniert mit den heiligen Figuren, schaffen eine Atmosphäre der Ehrfurcht und des Glaubens. Brentano vermittelt in diesem Gedicht nicht nur eine theologische Aussage, sondern auch ein Gefühl der Hoffnung und der Erlösung durch die Vereinigung mit Gott.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.