Kaum hörst du auf, so fang ich an...

Clemens Brentano

unknown

Kaum hörst du auf, so fang ich an, Dich erst recht zu vermissen, Ich habe ein Gelübd getan, Kein andres Weib zu küssen

Gewaltig, regt es sich in mir, Zu leben und zu lieben, O süße Frau wär ich bei dir, Ich wollt dich nicht betrüben.

Du letzter Preis von Lieb und Lust, Wie konnte ich dich quälen, Ach hätt ich jemals was gewußt, Wie könnt ich dann erzählen.

Die Lippe schließt der Liebe Kuß, Ich hab ihn nie empfangen, Es rühmt sich nur der Überdruß, Es seufzt nur das Verlangen.

Kaum hörst du auf, so fang ich an Versäumnis muß ich büßen, O wandelte die Lust mich an Ein andres Weib zu küssen.

Mein Kuß ist jung, mein Kuß ist alt, Ich küß mit weisen Listen, Es würde Liebe und Gewalt Die Untreu dir nicht fristen

So lebe wohl, verzeihe dir! Die keusche Bahn zu wandten, Ich lebe wohl, verzeihe mir, Im Traum Dich zu - mißhandlen.

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Illustration zu Kaum hörst du auf, so fang ich an...

Interpretation

Das Gedicht "Kaum hörst du auf, so fang ich an..." von Clemens Brentano handelt von einem inneren Konflikt zwischen Liebe und Untreue. Der Sprecher fühlt sich stark zu einer Frau hingezogen und hat ihr gegenüber ein Gelübde abgelegt, kein anderes Weib zu küssen. Doch kaum hört er auf, an sie zu denken, beginnt er, sie erst recht zu vermissen und die Lust überkommt ihn, ein anderes Weib zu küssen. Der Sprecher ringt mit seinem Gewissen und bereut, der Frau Schmerz zugefügt zu haben. Er erkennt, dass er durch seine Untreue ihre Liebe und sein Glück gefährdet. Trotzdem scheint er den Reizen der Versuchung nicht widerstehen zu können. Der Kuss, den er einer anderen Frau gibt, ist geprägt von List und Gewalt, was auf einen Mangel an echter Zuneigung und Respekt hindeutet. Am Ende des Gedichts scheint der Sprecher zu resignieren und sich von der Frau zu verabschieden. Er bittet sie, sich selbst zu verzeihen, und auch er selbst bittet um Verzeihung. Die letzten Worte "Im Traum Dich zu mißhandlen" lassen darauf schließen, dass der Sprecher sich bewusst ist, dass er die Frau in Gedanken und Träumen betrügt, obwohl er ihr äußerlich treu bleibt.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Kaum hörst du auf, so fang ich an
Anapher
Kaum hörst du auf, so fang ich an
Bildsprache
Du letzter Preis von Lieb und Lust
Enjambement
Ich lebe wohl, verzeihe mir, / Im Traum Dich zu - / mißhandlen.
Hyperbel
Gewaltig, regt es sich in mir
Metapher
Du letzter Preis von Lieb und Lust
Personifikation
Die Lippe schließt der Liebe Kuß
Reimschema
AABB
Symbolik
Der Kuß als Symbol der Liebe und Untreue