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Jung Volkers Lied

Von

Und die mich trug in Mutterleib,
Und die mich schwang im Kissen,
Die war ein schön frech braunes Weib,
Wollte nichts vom Mannsvolk wissen.

Sie scherzte nur und lachte laut
Und ließ die Freier stehen:
„Möcht′ lieber sein des Windes Braut,
Denn in die Ehe gehen!“

Da kam der Wind, da nahm der Wind
Als Buhle sie gefangen:
Von dem hat sie ein lustig Kind
In ihren Schoß empfangen.

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Gedicht: Jung Volkers Lied von Eduard Mörike

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Jung Volkers Lied“ von Eduard Mörike ist eine charmante und spielerische Auseinandersetzung mit dem Thema der Mutterschaft und dem Einfluss der Natur auf das menschliche Schicksal, verpackt in eine scheinbar einfache, volksliedhafte Form. Es erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die sich dem traditionellen Bild der Ehe verweigert und stattdessen eine freie, unabhängige Lebensweise bevorzugt, bis sie von der Natur selbst erobert wird.

Die erste Strophe etabliert die Mutter des „Jung Volker“ als eine Frau, die sich nicht für Männer interessiert, sondern ein unabhängiges Leben führt. Mörike beschreibt sie als „schön frech braunes Weib“, was ihre Lebhaftigkeit und Ungebundenheit unterstreicht. Ihr Lachen und ihre Ablehnung der Freier symbolisieren ihren Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit. Sie scheint die traditionellen Rollenmuster ablehnen zu wollen, indem sie das enge Korsett der Ehe hinter sich lässt. Dies wird durch die Formulierung „Wollte nichts vom Mannsvolk wissen“ deutlich.

Die zweite Strophe verstärkt diesen Eindruck, indem die Frau ihre Ablehnung der Ehe offen ausspricht. Sie zieht es vor, die „Braut des Windes“ zu sein, was ihre Verbundenheit mit der Natur und ihre Ablehnung konventioneller Bindungen betont. Der „Wind“ wird hier personifiziert und dient als Metapher für die Naturgewalten, die letztlich eine entscheidende Rolle in ihrem Leben spielen werden.

Die dritte Strophe führt die Auflösung des Konflikts herbei. Der Wind, als Verkörperung der Natur, entführt die Frau und macht sie schwanger. Sie empfängt ein „lustig Kind“ in ihrem Schoß. Diese Wendung impliziert, dass die Natur stärker ist als der freie Wille der Frau und dass sie letztendlich doch in die Rolle der Mutter gezwungen wird, obwohl sie sich zunächst dagegen wehrte. Die Geschichte endet nicht mit einer moralischen Wertung, sondern mit einem subtilen Hinweis auf die unvermeidliche Kraft der Natur und die scheinbare Unausweichlichkeit des Mutterseins, welches trotz aller Unabhängigkeitswünsche doch seinen Weg findet.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.