Lebewohl

George Gordon Lord Byron

1788

Lebe wohl, und seis auf immer, Seis auf immer, lebe wohl! Doch, Versöhnungslose, nimmer Dir mein Herze zürnen soll.

Könnt ich öffnen dir dies Herze, Wo dein Haupt oft angeschmiegt Jene süße Ruh gefunden, Die dich nie in Schlaf mehr wiegt.

Könntest du durchschaun dies Herze Und sein innerstes Gefühl, Dann erst sähst du: es so grausam Fortzustoßen war zu viel.

Mag sein, dass die Welt dich preise Und die Tat mit Freuden seh, - Muss nicht selbst ein Lob dich kränken, Das erkauft mit fremdem Weh?

Immer soll dein Herz noch schlagen, Meins auch, blut es noch so sehr; Immer lebt der Schmerzgedanke: Wieder sehn wir uns nicht mehr?

Solche Worte schmerzen bitter Als wenn man um Tote klagt, Jeder Morgen soll uns finden Im verwitwet Bett erwacht.

Suchst du Trost, wenns erste Lallen Unsres Mägdleins dich begrüßt: Willst du lehren Vater rufen Sie, die Vaters Huld vermisst?

Alle meine Fehltritt kennst du, All mein Wahnsinn fremd dir blieb; All mein Hoffen, wo du gehn magst, Welkt, - doch gehts mit dir, mein Lieb.

Lebe wohl! Ich bin geschleudert Fort von allen Lieben mein, Herzkrank, einsam und zermalmet, - Tödlicher kann Tod nicht sein.

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Illustration zu Lebewohl

Interpretation

Das Gedicht "Lebewohl" von George Gordon Lord Byron thematisiert die tiefe emotionale Zerrissenheit und den Schmerz eines Abschieds. Der Sprecher verabschiedet sich von seiner Geliebten, betont jedoch, dass sein Herz ihr nicht zürnen wird, obwohl die Trennung endgültig ist. Die Verse offenbaren eine tiefe Sehnsucht und den Wunsch, der Geliebten die innige Verbundenheit zu zeigen, die sie einst teilten. Die Vorstellung, dass die Geliebte das Herz des Sprechers sehen könnte, unterstreicht die Intensität der verlorenen Liebe und die Ungerechtigkeit der Trennung. Der Sprecher reflektiert über die Konsequenzen der Entscheidung der Geliebten und stellt die Frage, ob Lob und Anerkennung der Welt den Preis des fremden Leids wert sind. Die Trennung wird als eine Art Tod beschrieben, der den Sprecher herzkrank, einsam und zermalmt zurücklässt. Die Metapher des "verwitweten Betts" verdeutlicht die tiefe Trauer und das Gefühl des Verlusts, das den Sprecher jeden Morgen begleitet. Im letzten Teil des Gedichts richtet der Sprecher seinen Blick auf die Zukunft und die mögliche Rolle der Geliebten als Mutter. Er fragt, ob sie Trost in den ersten Worten ihrer Tochter finden wird, die den Vater vermissen wird. Trotz aller Fehler und Irrtümer des Sprechers bleibt die Hoffnung bestehen, dass die Geliebte ihn in ihren Gedanken begleitet. Das Gedicht endet mit einem schmerzvollen Abschied, der den Sprecher von allen seinen Lieben trennt und ihn in einen Zustand versetzt, der schlimmer als der Tod selbst ist.

Schlüsselwörter

lebe herze soll seis mehr all versöhnungslose nimmer

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Herzkrank, einsam und zermalmet
Anapher
Lebe wohl, und seis auf immer, Seis auf immer, lebe wohl!
Hyperbel
Fortzustoßen war zu viel
Metapher
Wo dein Haupt oft angeschmiegt Jene süße Ruh gefunden, Die dich nie in Schlaf mehr wiegt
Oxymoron
Tödlicher kann Tod nicht sein
Parallelismus
Immer soll dein Herz noch schlagen, Meins auch, blut es noch so sehr
Personifikation
All mein Hoffen, wo du gehn magst, Welkt
Rhetorische Frage
Muss nicht selbst ein Lob dich kränken, Das erkauft mit fremdem Weh?
Vergleich
Solche Worte schmerzen bitter Als wenn man um Tote klagt