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In Flut und Licht

Von

Hinaus aufs Meer! die glatten Wellen funkeln.
Froh durch des Gartens saftige Bukette,
Darin im Licht die Rosen röter dunkeln.

Es knirscht der Ufersand am Landungsbrette:
Hurra, mein Boot! ihr braunlackierte Planken,
Du ungeduldig Tanzboot an der Kette,

Dir schlägt der Schaum die schmalgewölbten Flanken;
Vertrauter Seegenosse, du mein Freund,
Wie manche Wetterfahrt kann ich dir danken;

Bin auch wie du von Brand und Salz gebräunt.
Die Riemen raus und uferab gestrebt
Mit kräft′gem Schlag – vom Gartengrün umzäunt

Winkt wärmeflimmernd weiß das Haus und schwebt
Auf prallbemaltem heißen Uferstriche:
Ein Bild von Herdlichkeit, doch erdgeklebt.

Nun Ärmel aufgekrempt; die mittagliche
Vorm durst′gen Blick weitoffne Flut gewinnen,
Die hin und her sich wirft im Sonnenstiche.

Getauchte Ruder ächzen in den Pinnen,
Ein salzgewürzter Wind springt herrlich auf,
Läßt sprühend Schaumgespritz vom Buge rinnen.

Glückheißer Tag! leuchtblau emporgerundet –
Darein die braune Stirn, die Brust getaucht
Und lichtflutvoll sich atmend froh gesundet.

O wie mit jedem Ruck, von Kraft gestaucht,
Der Horizont sich immer größer weitet –
Die weißen Wolken blühn, das Wasser raucht –

Lichtmeer ist über Wassermeer gebreitet –
Ich zieh die glanzbeströmten Ruder ein
Und horch wie unterm Kiel das Wasser gleitet,

Wie in den hohen königlichen Schein,
Wie in das große Wolkensausen oben
Das kühle Glucksen zärtlich singt hinein.

Fanfaren schmettern Göttertag da droben,
Umarmend, ewigkeitlich unbewußt –
O Meer, o Himmel, Licht in Licht gehoben!

O Mensch, entblöße glücklich deine Brust!
Wirf ab, wirf ab das Kleid, so grau und trennend,
Stürz ein in diese unsagbare Lust!

O nun ich nackt, mitbrausend und mitbrennend,
Bestürm ich denkend, singend, brünstig dich,
Dich Gott und Tagerleuchter, Vater nennend.

Wie wüßt ich diesem Glück, so sonderlich,
Denn andern vollen Namen als den deinen,
Der alle Dinge wärmet väterlich.

Du willst auch gütig jetzt um mich, den einen,
Der kam vom flachen Ufer Mann und arm,
Mit diesem reichen Augenblick vereinen.

Ich bin umweht in himmlischem Alarm,
Und staune blind, o Herr, in dieses Licht,
Dein Odem trieft von meiner Brust so warm,

Ich hebe Mund und Stirn, und seh dich nicht…
Und glaube doch dich her zu mir im Leuchten,
Dein Sohn von Angesicht zu Angesicht.

Halt weich und fest den in die Knie Gebeugten,
Der ungeborn dir schon am Busen lag –
Ich fühle Strahlenschimmer mich umfeuchten,

Fühl deines Sonneherzens Flügelschlag
Die tausendporenoffne Haut mir streifen,
Fühl eine Vaterhand durch diesen Tag

Nach meinem tanzgewiegten Herzen greifen
Und Heiterkeit mit tausend Tönen flügeln
Und Aufgehobenheit ins Höchste schweifen.

Du hältst mich immer wieder über Hügeln,
Gesang, mein Gott, aus Dämmern und Beschwerde –
Du kannst zum Guten alles in mir zügeln!

Ich fühle wie ich kindlich, göttlich werde!
Ich liebe dich, mein Vater, gut und grau,
Mit Meer und Tag und diesem Glanz der Erde!

Allum in Luft und Flut braust Wolkenblau –

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: In Flut und Licht von Gerrit Engelke

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „In Flut und Licht“ von Gerrit Engelke ist eine hymnische Ode an die Natur, das Licht und die Verschmelzung des lyrischen Ichs mit dem Göttlichen. Es beschreibt eine Ekstase, die durch die Erfahrung der Natur, insbesondere des Meeres und des Sonnenlichts, ausgelöst wird. Der Dichter scheint sich auf einer existentiellen Reise zu befinden, die in einer spirituellen Vereinigung mit einer höheren Macht gipfelt.

Das Gedicht beginnt mit einer Begeisterung für die natürliche Schönheit, die durch die Beschreibung von Meer, Sonne und einem Boot ausgedrückt wird. Das lyrische Ich sehnt sich nach der Freiheit und dem Abenteuer des Meeres, das als Symbol für die Weite und das Unbekannte dient. Die anfängliche Freude an der physischen Erfahrung des Ruderns und des Umgangs mit den Elementen weicht allmählich einer tieferen spirituellen Erfahrung. Die Beschreibung des Körpers im Sonnenlicht und im Wasser unterstreicht die sinnliche Erfahrung, die den Dichter in einen Zustand der Ekstase versetzt.

Der Übergang von der physischen zur spirituellen Ebene erfolgt durch die Erhebung des lyrischen Ichs in einen Zustand der Kontemplation und des Gebets. Die Wiederholung von „Licht“ und die Verwendung von religiösen Bildern, wie „Gott“ und „Vater“, deuten auf eine religiöse Erfahrung hin. Das lyrische Ich fühlt sich von dem göttlichen Licht durchdrungen und erlebt eine Auflösung der eigenen Identität in der Einheit mit dem Universum. Der Dichter erfährt eine göttliche Umarmung und findet Trost und Geborgenheit in der unendlichen Liebe des Vaters.

Das Gedicht gipfelt in einem Zustand der Erleuchtung, in dem das lyrische Ich die Grenzen der menschlichen Existenz transzendiert und eine tiefe Verbindung mit dem Göttlichen erfährt. Die Natur, das Licht und die Erfahrung des Meeres dienen als Mittel, um diese spirituelle Vereinigung zu erreichen. Der Dichter findet Trost und Sinn in der Annahme des Göttlichen, in dem er sich als Teil eines größeren Ganzen erkennt. Die Ode endet mit einem Gefühl der Dankbarkeit und des Lobes, als das lyrische Ich seine Liebe und Dankbarkeit gegenüber Gott, der Natur und dem Leben ausdrückt.

Insgesamt ist „In Flut und Licht“ ein Ausdruck von Ekstase, spiritueller Sehnsucht und der Suche nach Einheit mit dem Göttlichen. Engelke verwendet kraftvolle Bilder und eine rhythmische Sprache, um die Intensität der Erfahrung des lyrischen Ichs zu vermitteln. Das Gedicht ist eine Feier der Natur, des Lichts und der transformierenden Kraft der Liebe. Es lädt den Leser ein, die Schönheit der Welt zu betrachten und sich der eigenen spirituellen Sehnsucht zu öffnen.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.