Ich wollt ein Sträußlein binden…
Ich wollt ein Sträußlein binden,
Da kam die dunkle Nacht,
Kein Blümlein war zu finden,
Sonst hätt ich dir′s gebracht.
Da flossen von den Wangen
Mir Tränen in den Klee,
Ein Blümlein aufgegangen
Ich nun im Garten seh.
Das wollte ich dir brechen
Wohl in dem dunklen Klee,
Doch fing es an zu sprechen:
»Ach tue mir nicht weh!
Sei freundlich in dem Herzen,
Betracht dein eigen Leid,
Und lasse mich in Schmerzen
Nicht sterben vor der Zeit.«
Und hätt′s nicht so gesprochen,
Im Garten ganz allein,
So hätt ich dir′s gebrochen,
Nun aber darf′s nicht sein.
Mein Schatz ist ausgeblieben,
Ich bin so ganz allein.
Im Lieben wohnt Betrüben,
Und kann nicht anders sein.
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Ich wollt ein Sträußlein binden…“ von Clemens Brentano handelt von der vergeblichen Suche nach einem Geschenk und der daraus resultierenden Erkenntnis über die Natur des Leids und der Liebe. Es beginnt mit dem Wunsch, ein Sträußlein zu binden und dem Geliebten zu schenken, doch die Ankunft der Nacht vereitelt diesen Plan. Die gescheiterte Suche nach den Blumen löst Traurigkeit aus, die sich in Tränen äußert, die ins Gras fließen.
Inmitten der Verzweiflung und Einsamkeit entdeckt der Sprecher ein einzelnes Blümlein. Doch als er es brechen will, um es dem Geliebten zu schenken, beginnt die Blume zu sprechen. Sie fleht um Gnade und weist auf das eigene Leid des Sprechers hin, fordert ihn auf, sie nicht unnötig zu verletzen und sie nicht zu früh sterben zu lassen. Dieser Moment markiert einen Wendepunkt im Gedicht, denn die Reaktion der Blume verändert die ursprüngliche Absicht des Sprechers.
Die Erkenntnis, dass die Blume nicht gepflückt werden darf, offenbart eine tiefe Einsicht in die Natur des Leids und die Beziehung zur Liebe. Die Absage des Sprechers, die Blume zu brechen, unterstreicht ein Mitgefühl für die Pflanze. Die vergebliche Erwartung des Geliebten und die sich anschließende Einsamkeit verstärken das Gefühl des Betrübens, das mit der Liebe einhergeht. Die letzten Zeilen des Gedichts bestätigen die Unvermeidbarkeit dieser Traurigkeit.
Brentano nutzt in diesem Gedicht eine einfache Sprache und klare Bilder, um die Emotionen des Sprechers darzustellen. Die Personifizierung der Blume verleiht dem Gedicht eine besondere Tiefe und macht die Botschaft von Mitgefühl und der Erkenntnis über die Natur des Leids greifbar. Das Gedicht ist ein melancholisches, aber auch tröstliches Werk, das die Vergänglichkeit der Liebe und die Unvermeidbarkeit des Leids thematisiert.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.