Hörst du, wie die Brunnen rauschen?
Hörst du, wie die Grille zirpt?
Stille, stille, laß uns lauschen,
Selig, wer in Träumen stirbt;
Selig, wen die Wolken wiegen,
Wem der Mond ein Schlaflied singt;
O! wie selig kann der fliegen,
Dem der Traum den Flügel schwingt,
Daß an blauer Himmelsdecke
Sterne er wie Blumen pflückt:
Schlafe, träume, flieg, ich wecke
Bald dich auf und bin beglückt.
Hörst du, wie die Brunnen rauschen…
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Hörst du, wie die Brunnen rauschen…“ von Clemens Brentano ist eine kurze, lyrische Ode an den Traum und die Flucht aus der Realität. Das Gedicht evoziert eine Idylle, in der die Sinne durch das Rauschen der Brunnen und das Zirpen der Grillen sanft angesprochen werden. Diese akustischen Eindrücke schaffen eine Atmosphäre der Ruhe und des Friedens, die den Leser in eine Welt der Träume einladen soll. Die zentrale Botschaft ist die Glückseligkeit, die im Traum gefunden wird, und die Sehnsucht nach einer Befreiung von den Zwängen des realen Lebens.
Die Verwendung von Worten wie „selig“ unterstreicht die positive Konnotation des Traumes. Die Personifizierung der Wolken und des Mondes, die den Schlafenden wiegen und ein Schlaflied singen, verleiht der Traumwelt eine mütterliche und schützende Qualität. Der Traum wird hier als ein Zustand der Freiheit dargestellt, in dem der Träumende in der Lage ist, „an blauer Himmelsdecke Sterne wie Blumen zu pflücken“. Diese Zeile evoziert ein Bild von grenzenloser Fantasie und dem Überschreiten aller irdischen Grenzen. Der Traum wird als ein Fluchtweg in eine Welt der Unendlichkeit und der unbegrenzten Möglichkeiten dargestellt.
Das Gedicht deutet auch auf eine Trennung zwischen dem Traum und der Realität hin. Die letzte Strophe, in der die sprechende Person den Schlafenden zum Erwachen auffordert und die eigene Freude darüber zum Ausdruck bringt, impliziert, dass der Traum zwar erstrebenswert ist, aber nicht ewig andauern kann. Das Erwachen wird hier jedoch nicht als etwas Negatives dargestellt, sondern als ein Moment der Freude und des Glücks, da der Sprecher bald „beglückt“ sein wird. Dies deutet darauf hin, dass die Beziehung zwischen Träumendem und Sprecher eine tiefe Verbundenheit aufweist, und dass der Traum eine geteilte Erfahrung sein könnte.
Insgesamt ist das Gedicht eine wunderschöne Hommage an die Macht der Fantasie und die Sehnsucht nach einer Welt, in der Grenzen verschwimmen. Brentano fängt mit einfachen, sinnlichen Bildern und einer sanften Sprache die Essenz des Traumes ein und lädt den Leser ein, in diese Welt einzutauchen. Es ist ein Plädoyer für die Bedeutung des Träumens als Quelle von Glück, Freiheit und Inspiration, aber auch eine Reflexion über die Vergänglichkeit und die Bedeutung der Beziehungen in der realen Welt.
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Lizenz und Verwendung
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