Ich hab das Lämplein angesteckt...

Clemens Brentano

1842

Ich hab das Lämplein angesteckt Zum langen Angedenken, Und wenn mich kühle Erde deckt, Mag Kind und Enkel denken: Der Vater ruht im Tale aus, Und kömmt nicht mehr ins stille Haus.

Lischst du o Herr mein stilles Licht, Das tief herab schon brennet, Und werd vor deinem Angesicht Ich nur ganz rein erkennet, So geht mit Freude angetan Erst recht mein schönstes Leuchten an.

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Illustration zu Ich hab das Lämplein angesteckt...

Interpretation

Das Gedicht "Ich hab das Lämplein angesteckt..." von Clemens Brentano ist eine nachdenkliche Auseinandersetzung mit der Vergänglichkeit des Lebens und der Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod. Der Sprecher zündet eine kleine Lampe an, als Zeichen der Erinnerung, das auch nach seinem Tod weiterleuchten soll. Die Lampe symbolisiert die Kontinuität des Lebens und die Verbindung zwischen den Generationen. Der zweite Teil des Gedichts wendet sich direkt an Gott, den Herrn. Der Sprecher bittet darum, dass sein stilles Licht, das bereits tief brennt, von Gott erleuchtet wird. Er hofft, in Gottes Gegenwart rein erkannt zu werden. Die letzte Zeile deutet darauf hin, dass das Leuchten des Sprechers erst in der Gegenwart Gottes seine volle Schönheit und Bedeutung entfaltet. Das Gedicht vermittelt eine Mischung aus Melancholie und Hoffnung. Der Sprecher ist sich seiner Sterblichkeit bewusst, findet aber Trost in der Vorstellung, dass sein Andenken weiterlebt und dass er in Gottes Gegenwart eine höhere Erkenntnis und Erfüllung finden wird. Die Lampe als wiederkehrendes Motiv symbolisiert dabei sowohl die Vergänglichkeit als auch die Beständigkeit des Lebens.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
Die Wiederholung des Wortes 'und' am Anfang mehrerer Zeilen verstärkt den rhythmischen Fluss und die Verbindung der Gedanken.
Bildsprache
Die Beschreibung des Vaters, der 'im Tale ruht', schafft ein lebendiges Bild von Ruhe und Frieden.
Hyperbel
Die Vorstellung, dass das Licht 'tief herab' brennt, übertreibt die Intensität und Bedeutung des Lichts.
Kontrast
Der Kontrast zwischen dem 'stillen Haus' und dem 'Tale' hebt die Endgültigkeit des Todes hervor.
Metapher
Das 'Lämplein' wird als Symbol für Erinnerung und die Kontinuität des Lebens verwendet.
Personifikation
Das Licht wird als 'still' und als etwas, das 'brennet', beschrieben, was ihm menschliche Eigenschaften verleiht.
Symbolik
Das 'Lämplein' symbolisiert die Hoffnung und das Andenken an den Verstorbenen.