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Heimweh (2)

Von

An meinen Bruder

Du weißts, dort in den Bäumen
Schlummert ein Zauberbann,
Und nachts oft, wie in Träumen,
Fängt der Garten zu singen an.

Nachts durch die stille Runde
Wehts manchmal bis zu mir,
Da ruf ich aus Herzensgrunde,
O Bruderherz, nach dir.

So fremde sind die andern,
Mir graut im fremden Land,
Wir wollen zusammen wandern,
Reich treulich mir die Hand!

Wir wollen zusammen ziehen,
Bis daß wir wandermüd
Auf des Vaters Grabe knien
Bei dem alten Zauberlied.

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Gedicht: Heimweh (2) von Joseph von Eichendorff

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Heimweh (2)“ von Joseph von Eichendorff thematisiert das Gefühl des Heimwehs und der Sehnsucht nach Geborgenheit und Vertrautheit. Es ist an den Bruder des Dichters gerichtet und drückt den Wunsch nach einer Rückkehr zu den Wurzeln und zu einer ungetrübten Vergangenheit aus. Der Text zeichnet sich durch eine melancholische Stimmung und eine tiefe Verbundenheit zur Natur und zur familiären Bindung aus.

Die ersten beiden Strophen beschreiben die Erinnerung an die Heimat, die durch das Bild eines bezauberten Gartens und nächtliche Gesänge evoziert wird. Der „Zauberbann“ in den Bäumen und das „Singen“ des Gartens evozieren eine idyllische, fast märchenhafte Atmosphäre, die im Gegensatz zur Fremde steht, die der Dichter im Exil oder in der Ferne erlebt. Die Formulierung „Wie in Träumen“ unterstreicht die Intensität der Sehnsucht und die Verklärung der Erinnerung. Die Zeile „O Bruderherz, nach dir“ verdeutlicht das zentrale Anliegen des Gedichts: die Sehnsucht nach dem Bruder und nach einer geteilten Vergangenheit.

In der dritten Strophe wird das Gefühl der Isolation und Fremdheit im „fremden Land“ ausgedrückt. Die Zeile „Mir graut im fremden Land“ verdeutlicht die Abneigung des Dichters gegenüber der Umgebung. Der Wunsch nach Gemeinsamkeit, nach dem Zusammenhalt mit dem Bruder, wird durch den Aufruf „Wir wollen zusammen wandern, / Reich treulich mir die Hand!“ verstärkt. Die Hand ist hier Symbol für gegenseitigen Halt und Unterstützung in der Ferne.

Die letzte Strophe führt das Sehnsuchtsmotiv weiter und deutet auf ein ersehntes Ziel: die Rückkehr in die Heimat und die Ankunft am Grab des Vaters. Das „alte Zauberlied“ ist ein weiteres Element der Vergangenheit und steht für Tradition und Geborgenheit. Das Knien am Grab symbolisiert die Ehrung der Ahnen und die Suche nach Trost und Frieden. Das Gedicht endet mit dem Bild der gemeinsamen Wanderung, das die Hoffnung auf ein glückliches Wiedersehen und die Überwindung der Trennung durch das Heimweh ausdrückt. Es ist ein Appell an die familiäre Bindung und die Sehnsucht nach der Vergangenheit.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.