Hippogryph

Joseph von Eichendorff

1841

Das ist ein Flügelpferd mit Silberschellen, Das heitere Gesellen Empor hebt über Heidekraut und Klüfte, Daß durch den Strom der Lüfte, Die um den Reisehut melodisch pfeifen, Des Ernsts Gewalt und Torenlärm der Schlüfte Als Frühlingsjauchzen nur die Brust mag streifen; Und so im Flug belauschen Des trunknen Liedergottes rüstge Söhne, Wenn alle Höhn und Täler blühn und rauschen, Im Morgenbad des Lebens ewge Schöne, Die, in dem Glanz erschrocken, Sie glühend anblickt aus den dunklen Locken.

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Illustration zu Hippogryph

Interpretation

Das Gedicht "Hippogryph" von Joseph von Eichendorff beschreibt ein mythisches Fabelwesen, das durch die Lüfte schwebt und dabei eine harmonische und erhebende Wirkung entfaltet. Das Flügelpferd mit Silberschellen symbolisiert Freiheit, Leichtigkeit und eine transzendente Schönheit, die über die irdischen Sorgen und den "Torenlärm der Schlüfte" hinausreicht. Die Reise durch die Lüfte wird als befreiender Akt dargestellt, bei dem das Ernst des Lebens und der Lärm der Toren als "Frühlingsjauchzen" wahrgenommen werden, was auf eine positive Umdeutung der Realität hindeutet. In der zweiten Strophe wird das Hippogryph zum Zeugen eines göttlichen Moments, in dem die "rüstigen Söhne des trunknen Liedergottes" in der Natur baden. Diese Söhne könnten als Musen oder Dichter interpretiert werden, die in der Frühlingslandschaft Inspiration finden. Die "ewge Schöne" im "Morgenbad des Lebens" steht für die zeitlose Schönheit und Reinheit der Natur, die in ihrer vollen Pracht erblüht. Das Hippogryph beobachtet diese Szene aus der Ferne, was auf eine gewisse Distanz und Ehrfurcht vor der natürlichen Schönheit hindeutet. Die letzte Zeile des Gedichts fügt eine mystische Komponente hinzu, indem sie die "ewge Schöne" als eine Gestalt beschreibt, die "glühend aus den dunklen Locken" auf die Söhne blickt. Dies könnte als die Muse oder die Inspiration selbst interpretiert werden, die in der Natur verborgen liegt und die Künstler mit ihrem Blick berührt. Das Gedicht endet mit einem Hauch von Verklärung und Verzauberung, der die Leser in die Welt der Fantasie und der poetischen Imagination entführt.

Schlüsselwörter

flügelpferd silberschellen heitere gesellen empor hebt heidekraut klüfte

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Des trunknen Liedergottes rüstge Söhne
Bildsprache
Wenn alle Höhn und Täler blühn und rauschen
Hyperbel
Des Ernsts Gewalt und Torenlärm der Schlüfte Als Frühlingsjauchzen nur die Brust mag streifen
Metapher
Im Morgenbad des Lebens ewge Schöne
Personifikation
Die, in dem Glanz erschrocken, Sie glühend anblickt aus den dunklen Locken