Heimweh (1)

Joseph von Eichendorff

1788

Wer in die Fremde will wandern, Der muß mit der Liebsten gehn, Es jubeln und lassen die andern Den Fremden alleine stehn.

Was wisset ihr, dunkele Wipfel, Von der alten, schönen Zeit? Ach, die Heimat hinter den Gipfeln, Wie liegt sie von hier so weit!

Am liebsten betracht ich die Sterne, Die schienen, wie ich ging zu ihr, Die Nachtigall hör ich so gerne, Sie sang vor der Liebsten Tür.

Der Morgen, das ist meine Freude! Da steig ich in stiller Stund Auf den höchsten Berg in die Weite, Grüß dich, Deutschland, aus Herzensgrund!

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Illustration zu Heimweh (1)

Interpretation

Das Gedicht "Heimweh" von Joseph von Eichendorff handelt von der Sehnsucht des lyrischen Ichs nach der Heimat und der verlorenen Liebe. Das Gedicht ist in vier Strophen unterteilt, die jeweils einen anderen Aspekt des Heimwehs beleuchten. In der ersten Strophe geht es um die Trennung von der Liebsten, die mit dem lyrischen Ich in die Fremde ziehen sollte. Die anderen bleiben zurück und lassen den Fremden allein stehen. Dies deutet auf eine Art Verrat oder Enttäuschung hin, die das lyrische Ich erlitten hat. In der zweiten Strophe fragt das lyrische Ich die dunklen Baumwipfel nach der alten, schönen Zeit, die es in der Heimat hinter den Bergen vermisst. Die Heimat erscheint als ein fernes, unerreichbares Ziel, das von hier aus so weit entfernt ist. In der dritten Strophe erinnert sich das lyrische Ich an die Sterne, die es bei seinem Weg zur Liebsten begleitet haben, und an die Nachtigall, die vor der Tür der Liebsten gesungen hat. Diese Bilder stehen für die glücklichen Momente, die das lyrische Ich mit der Liebsten verbracht hat, und für die Hoffnung, dass sie sich wiedersehen werden. In der vierten und letzten Strophe ist das lyrische Ich voller Freude über den Morgen, der ihm die Möglichkeit gibt, auf den höchsten Berg zu steigen und aus der Ferne Deutschland zu grüßen. Dies ist ein Ausdruck der patriotischen Verbundenheit mit der Heimat, aber auch ein Zeichen der Resignation, dass das lyrische Ich die Heimat nicht mehr erreichen kann.

Schlüsselwörter

liebsten fremde will wandern muß gehn jubeln lassen

Wortwolke

Wortwolke zu Heimweh (1)

Stilmittel

Anapher
Die schienen, wie ich ging zu ihr, Die Nachtigall hör ich so gerne
Apostrophe
Was wisset ihr, dunkele Wipfel
Direkte Ansprache
Grüß dich, Deutschland, aus Herzensgrund!
Hyperbel
Wie liegt sie von hier so weit!
Metapher
dunkele Wipfel
Personifikation
Wer in die Fremde will wandern, der muß mit der Liebsten gehn
Synästhesie
Da steig ich in stiller Stund