Dort in moosumrankten Klüften
Dort in moosumrankten Klüften,
Wo der Kühlung Weste wehn,
Und den Kranz um Schläf und Hüften
Elfen sich im Tanz ergehn.
Dort harr ich des lieben Mädchens,
Wenn durchs Grau der Morgen bricht
Und das grüne Rosenpfädchen
Sanft bestreut mit mattem Licht.
Dort harr ich, wenn sich die Sonne
In des Sees Fluten taucht,
Und der Abend neue Wonne
In des Müden Seele haucht.
Denn nur wenig Jahr durchglühet
Uns der Jugend Götterhauch
Und, ach – nur zu früh verblühet
Uns des Lebens Blütenstrauch.
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Dort in moosumrankten Klüften“ von Joseph von Eichendorff entwirft eine idyllische Szene, die von Sehnsucht und der Vergänglichkeit der Jugend geprägt ist. Die ersten beiden Strophen beschreiben eine verträumte Naturlandschaft, einen Ort der Kühlung und des Tanzes von Elfen, wo der Dichter auf sein „liebes Mädchen“ wartet. Das Gedicht etabliert eine romantische Stimmung, die durch die sanften Bilder und die Erwartung eines Wiedersehens mit der geliebten Person erzeugt wird.
Die zweite Hälfte des Gedichts konzentriert sich auf die Sehnsucht des lyrischen Ichs und die Vergänglichkeit des Lebens. Das Warten wird zu einem zentralen Thema, sowohl am Morgen als auch am Abend. Die Natur dient hier als Kulisse für die Erwartung und das Hoffen auf Glück. In den letzten beiden Versen wird der Blick auf die Kürze der Jugend und die frühe Verblühtheit des Lebens gelenkt. Diese Erkenntnis verleiht dem Gedicht eine melancholische Note, die die Schönheit der Natur und die romantische Sehnsucht durchdringt.
Eichendorff verbindet in diesem Gedicht auf meisterhafte Weise Naturerlebnis, romantische Liebe und die Reflexion über die Zeit. Die „moosumrankten Klüften“ und das „grüne Rosenpfädchen“ schaffen eine Atmosphäre der Geborgenheit und des Geheimnisses, während die Erwähnung von Sonne und Abend die zyklische Natur des Lebens widerspiegelt. Die Sprache ist einfach und bildhaft, wodurch eine unmittelbare emotionale Wirkung erzeugt wird.
Das Gedicht ist ein Ausdruck der romantischen Vorstellung, die Natur als Quelle von Schönheit, Trost und Inspiration zu betrachten, wobei die Liebe und die flüchtige Jugend als kostbare Momente des Lebens erkannt werden, die es zu schätzen gilt. Die Melancholie über die Endlichkeit der Jugend und des Lebens unterstreicht die Intensität der erlebten Gefühle und macht dieses Gedicht zu einem zeitlosen Ausdruck menschlicher Erfahrung.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.