Die zwei Gesellen

Joseph von Eichendorff

1818

Es zogen zwei rüstge Gesellen Zum erstenmal von Haus, So jubelnd recht in die hellen, Klingenden, singenden Wellen Des vollen Frühlings hinaus.

Die strebten nach hohen Dingen, Die wollten, trotz Lust und Schmerz, Was Rechts in der Welt vollbringen, Und wem sie vorübergingen, Dem lachten Sinn und Herz. -

Der erste, der fand ein Liebchen, Die Schwieger kauft′ Hof und Haus; Der wiegte gar bald ein Bübchen, Und sah aus heimlichem Stübchen Behaglich ins Feld hinaus.

Dem zweiten sangen und logen Die tausend Stimmen im Grund, Verlockend′ Sirenen, un zogen Ihn in der buhlenden Wogen Farbig klingenden Schlund.

Und wie er auftaucht vom Schlunde, Da war er müde und alt, Sein Schifflein das lag im Grunde, So still wars rings in der Runde, Und über die Wasser wehts kalt.

Es singen und klingen die Wellen Des Frühlings wohl über mir; Und seh ich so kecke Gesellen, Die Tränen im Auge mir schwellen - Ach Gott, führ mich liebreich zu Dir!

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Illustration zu Die zwei Gesellen

Interpretation

Das Gedicht "Die zwei Gesellen" von Joseph von Eichendorff erzählt die Geschichte zweier junger Männer, die voller Tatendrang und Optimismus in die Welt hinausziehen. Der erste Geselle findet ein ruhiges, bürgerliches Glück durch Heirat und Familie, während der zweite von den verlockenden Stimmen der Welt in den Untergang getrieben wird. Eichendorff verwendet hier das Motiv der Sirenen, um die Gefahren und Verlockungen des Lebens darzustellen, die den zweiten Gesellen von seinem ursprünglichen Weg abbringen. Die Struktur des Gedichts folgt einem klaren Verlauf: Die anfängliche Begeisterung und der gemeinsame Aufbruch der beiden Gesellen, ihre unterschiedlichen Lebenswege und schließlich das Schicksal des zweiten Gesellen, der in den Tiefen der Welt versinkt. Eichendorff nutzt dabei eine reiche Bildsprache, um die Stimmungen und Entwicklungen zu vermitteln. Der Übergang von der lebendigen Frühlingswelt zu der kalten, stillen Umgebung am Ende des Gedichts unterstreicht den Kontrast zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Im letzten Strophenabschnitt reflektiert der Erzähler über das Schicksal der beiden Gesellen und äußert eine Sehnsucht nach göttlicher Führung und Schutz. Die Tränen, die ihm bei dem Anblick der "kecken Gesellen" in die Augen steigen, zeigen seine Empathie und vielleicht auch seine eigene Furcht vor den Verlockungen und Gefahren des Lebens. Das Gedicht endet mit einem Gebet, das die menschliche Verletzlichkeit und das Bedürfnis nach spiritueller Führung betont.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Die Wiederholung von Konsonanten wie 'jubelnd recht in die hellen, klingenden, singenden Wellen'
Bildsprache
Die Verwendung von lebendigen Bildern wie 'hellen, klingenden, singenden Wellen' und 'farbig klingenden Schlund'
Hyperbel
Die Beschreibung der 'tausend Stimmen im Grund' als übertriebene Darstellung der Versuchungen
Ironie
Die Ironie in der Wendung 'Ach Gott, führ mich liebreich zu Dir!' als Kontrast zur vorherigen Beschreibung der beiden Gesellen
Kontrast
Der Kontrast zwischen den beiden Gesellen und ihren Lebenswegen
Metapher
Die Wellen des Frühlings als Metapher für das Leben und seine Herausforderungen
Personifikation
Die Wellen werden als 'singend' und 'klingend' beschrieben, was ihnen menschliche Eigenschaften verleiht
Symbolik
Der Frühling als Symbol für Jugend und Neuanfang