Dryander mit der Komödiantenbande

Joseph von Eichendorff

1837

Mich brennts an meinen Reiseschuhn, Fort mit der Zeit zu schreiten - Was wollen wir agieren nun Vor so viel klugen Leuten?

Es hebt das Dach sich von dem Haus Und die Kulissen rühren Und strecken sich zum Himmel ′raus, Strom, Wälder musizieren!

Und aus den Wolken langt es sacht, Stellt alles durcheinander, Wie sichs kein Autor hat gedacht: Volk, Fürsten und Dryander.

Da gehn die einen müde fort, Die andern nahn behende, Das alte Stück, man spielts so fort Und kriegt es nie zu Ende.

Und keiner kennt den letzten Akt Von allen, die da spielen, Nur der da droben schlägt den Takt, Weiß, wo das hin will zielen.

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Illustration zu Dryander mit der Komödiantenbande

Interpretation

Das Gedicht "Dryander mit der Komödiantenbande" von Joseph von Eichendorff handelt von der Unberechenbarkeit und Vergänglichkeit des Lebens, das mit einem Theaterstück verglichen wird. Die Protagonisten, eine Gruppe von Komödianten, sind auf ihrer Reise und fragen sich, was sie vor so vielen klugen Leuten noch aufführen sollen. Das Leben, symbolisiert durch das Theater, scheint sich von selbst zu entfalten, wobei das Dach des Hauses und die Kulissen sich zum Himmel strecken, während Strom und Wälder musizieren. Diese Szenerie vermittelt eine surreale, fast traumhafte Atmosphäre, in der die Realität mit der Kunst verschmilzt. In der zweiten Strophe wird das Chaos und die Unordnung betont, die durch die Eingriffe aus den Wolken entstehen. Es scheint, als ob das Schicksal oder eine höhere Macht das Geschehen durcheinanderbringt, ohne dass es ein Autor oder Regisseur geplant hätte. Die Menschen, Fürsten und der namensgebende Dryander sind Teil dieses chaotischen Spiels, in dem niemand die Kontrolle zu haben scheint. Die Komödianten gehen müde fort, während andere behende herankommen, was den ständigen Wechsel und die Vergänglichkeit des Lebens symbolisiert. Im letzten Teil des Gedichts wird deutlich, dass das "Stück", also das Leben, nie zu Ende gespielt wird. Niemand kennt den letzten Akt, was die Ungewissheit über das Ende des Lebens unterstreicht. Nur der "da droben", vermutlich eine Anspielung auf Gott oder das Schicksal, schlägt den Takt und weiß, wohin alles zielt. Dies vermittelt eine resignative, aber auch tröstliche Botschaft: Obwohl das Leben chaotisch und ungewiss ist, gibt es eine höhere Instanz, die den Überblick behält und das Geschehen lenkt.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Metapher
Weiß, wo das hin will zielen
Personifikation
Strom, Wälder musizieren
Rhetorische Frage
Was wollen wir agieren nun Vor so viel klugen Leuten?