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Die Studenten

Von

Die Jäger ziehn in grünen Wald
Und Reiter blitzend übers Feld,
Studenten durch die ganze Welt,
So weit der blaue Himmel wallt.

Der Frühling ist der Freudensaal,
Viel tausend Vöglein spielen auf,
Da schallts im Wald bergab, bergauf:
Grüß dich, mein Schatz, viel tausendmal!

Viel rüstige Bursche ritterlich,
Die fahren hier in Stromes Mitt,
Wie wilde sie auch stellen sich,
Trau mir, mein Kind, und fürcht dich nicht!

Querüber übers Wasser glatt
Laß werben deine Äugelein,
Und der dir wohlgefallen hat,
Der soll dein lieber Buhle sein.

Durch Nacht und Nebel schleich ich sacht,
Kein Lichtlein brennt, kalt weht der Wind,
Riegl auf, riegl auf bei stiller Nacht,
Weil wir so jung beisammen sind!

Ade nun, Kind, und nicht geweint!
Schon gehen Stimmen da und dort,
Hoch übern Wald Aurora scheint,
Und die Studenten reisen fort.

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Gedicht: Die Studenten von Joseph von Eichendorff

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Die Studenten“ von Joseph von Eichendorff entwirft ein lebendiges Bild vom ungebundenen Studentenleben, das von Freiheit, Naturverbundenheit und romantischer Liebe geprägt ist. Der Text beginnt mit einer Gegenüberstellung von Jägern und Reitern, die ihre jeweiligen Tätigkeiten ausüben, und den Studenten, die frei durch die Welt ziehen, was ihre Ungebundenheit und ihren Reiselust unterstreicht. Die Natur, insbesondere der Frühling, wird als Freudenraum dargestellt, in dem Vögel zwitschern und die Studenten ihre Zuneigung zum Ausdruck bringen.

Im weiteren Verlauf des Gedichts wird die romantische Seite des Studentenlebens deutlicher. Die Studenten, als „rüstige Bursche ritterlich“, lassen sich vom Fluss tragen und fordern die Geliebte auf, ihnen zu vertrauen und sich nicht zu fürchten. Die Liebe wird als ein Abenteuer inszeniert, das von Abenteuerlust, Leidenschaft und dem Wunsch nach Vereinigung geprägt ist, wie in der nächtlichen Szene beschrieben wird, in der die Studenten um Einlass bitten. Die Zeile „Riegl auf, riegl auf bei stiller Nacht, Weil wir so jung beisammen sind!“ drückt die Sehnsucht nach Nähe und die Vergänglichkeit der Jugend aus.

Das Gedicht ist aber auch von einem Abschiedsgefühl durchzogen. Die letzte Strophe, in der die Studenten Abschied nehmen und weiterziehen, verdeutlicht die Flüchtigkeit der studentischen Romanzen und das unaufhaltsame Vergehen der Zeit. Das Erscheinen der Aurora, der Morgenröte, signalisiert den Aufbruch in einen neuen Tag und die Notwendigkeit, weiterzuziehen. Die Zeilen „Hoch übern Wald Aurora scheint, Und die Studenten reisen fort“ fassen die Dualität des Gedichts zusammen: das freudige Erleben der Jugend und die gleichzeitige Erkenntnis, dass die Zeit begrenzt ist.

Eichendorffs Sprache ist von einer leichten, melodischen Anmut geprägt, die die fröhliche Unbekümmertheit der Studenten widerspiegelt. Die Verwendung einfacher Reime und rhythmischer Muster unterstützt diese Leichtigkeit. Die Natur spielt eine zentrale Rolle, sie dient als Kulisse für die Freuden und Leiden der Studenten, und als Spiegelbild ihrer Gefühle. Das Gedicht zeichnet so ein romantisches Bild des Studentenlebens, das von Abenteuerlust, Liebe und dem Wissen um die Vergänglichkeit der Zeit geprägt ist.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.