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Die Liebe fing mich ein mit ihren Netzen…

Von

Die Liebe fing mich ein mit ihren Netzen,
Und Hoffnung bietet mir die Freiheit an;
Ich binde mich den heiligen Gesetzen,
Und alle Pflicht erscheint ein leerer Wahn.
Es stürzen bald des alten Glaubens Götzen,
Zieht die Natur mich so mit Liebe an.
O süßer Tod, in Liebe neu geboren,
Bin ich der Welt, doch sie mir nicht verloren.

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Gedicht: Die Liebe fing mich ein mit ihren Netzen... von Clemens Brentano

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Die Liebe fing mich ein mit ihren Netzen…“ von Clemens Brentano ist eine Liebeserklärung, die von einer tiefgreifenden Transformation des lyrischen Ichs erzählt. Das Gedicht beginnt mit der Feststellung, dass die Liebe das Ich „eingefangen“ hat, was auf eine unwiderstehliche Kraft hindeutet, die den Sprecher in ihren Bann zieht. Gleichzeitig verspricht die „Hoffnung“ Freiheit, was auf einen inneren Konflikt oder eine Zerrissenheit zwischen den alten Werten und den neuen Erfahrungen der Liebe hindeutet. Der Begriff „Netze“ suggeriert eine Abhängigkeit oder ein Festhalten, das zunächst als negativ empfunden werden könnte.

Im weiteren Verlauf des Gedichts wird dieser Konflikt durch die Gegenüberstellung von „heiligen Gesetzen“ und der neuen Wertvorstellung der Liebe deutlich. Die „heiligen Gesetze“ werden als etwas dargestellt, das dem lyrischen Ich von der Liebe entfremdet. Diese Entfremdung führt zu einer Ablehnung der bisherigen Pflichten, die als „leerer Wahn“ wahrgenommen werden. Dieser radikale Wandel unterstreicht die allumfassende Macht der Liebe, die das Weltbild des Sprechers komplett verändert. Die Götzen des alten Glaubens scheinen zu stürzen, was die Auflösung alter moralischer Strukturen andeutet.

Die Natur wird als eine Kraft dargestellt, die das Ich mit Liebe anzieht, was die sinnliche und lebenserfüllende Erfahrung der Liebe betont. Der Ausruf „O süßer Tod“ ist ein zentrales Paradoxon. Er deutet nicht auf den physischen Tod, sondern auf das Sterben des alten Ichs und die Geburt eines neuen, durch die Liebe veränderten Selbst. Diese Metapher des Todes, verbunden mit der Liebe, zeigt die transformative Kraft der Liebe, die das Ich von seinen alten Bindungen befreit.

Das Gedicht endet mit einem optimistischen Ausblick: „Bin ich der Welt, doch sie mir nicht verloren.“ Obwohl das Ich sich der Liebe hingegeben hat und sich von alten Werten distanziert, fühlt es sich nicht von der Welt getrennt. Die Liebe ermöglicht vielmehr eine tiefere Verbindung zur Welt, eine neue Perspektive und eine neue Lebensweise. Brentano feiert hier die Liebe als eine lebensverändernde Erfahrung, die das Ich befreit, erneuert und ihm eine neue Sinngebung verleiht.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.