Der wandernde Student
Bei dem angenehmsten Wetter
Singen alle Vögelein,
Klatscht der Regen auf die Blätter,
Sing ich so für mich allein.
Denn mein Aug kann nichts entdecken,
Wenn der Blitz auch grausam glüht,
Was im Wandern könnt erschrecken
Ein zufriedenes Gemüt.
Frei von Mammon will ich schreiten
Auf dem Feld der Wissenschaft,
Sinne ernst und nahm zu Zeiten
Einen Mund voll Rebensaft.
Bin ich müde vom Studieren,
Wann der Mond tritt sanft herfür,
Pfleg ich dann zu musizieren
Vor der Allerschönsten Tür.
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Der wandernde Student“ von Joseph von Eichendorff zeichnet ein idyllisches Bild eines Studentenlebens, das durch die Freiheit des Wanderns, die Hingabe zur Wissenschaft und die Freude an der Musik geprägt ist. Das Gedicht beginnt mit einer Gegenüberstellung: Während die Vögel bei schönem Wetter und der Regen auf den Blättern singen, singt der Student stets für sich allein. Dies deutet auf eine innere Unabhängigkeit und die Fähigkeit hin, sich von äußeren Umständen nicht beeinflussen zu lassen. Die ersten beiden Strophen etablieren eine Grundstimmung der Gelassenheit und des unerschütterlichen Gemüts, das selbst durch Blitze nicht erschreckt werden kann.
Die folgenden Strophen vertiefen diese Charakterisierung des Studenten. Er wird als frei von materiellen Zwängen beschrieben, was ihm die Möglichkeit gibt, sich ganz der Wissenschaft zu widmen. Die Zeile „Sinne ernst und nahm zu Zeiten / Einen Mund voll Rebensaft“ offenbart eine Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Genuss, zwischen intellektueller Arbeit und der Freude am Leben. Der Rebensaft symbolisiert hier die Freuden des Lebens, die nicht im Widerspruch zur wissenschaftlichen Arbeit stehen, sondern diese bereichern können.
Das Gedicht gipfelt in der Darstellung der musikalischen Aktivität des Studenten. Wenn er vom Studieren müde wird, findet er Trost und Erholung in der Musik, die er vor der Tür der „Allerschönsten“ spielt. Dieses Bild der Serenaden vor der Geliebten fügt dem Bild des wandernden Studenten eine romantische Note hinzu. Es zeigt die Sehnsucht nach Liebe und die Hoffnung auf Zuneigung, die tief im Herzen des Studenten verankert sind.
Insgesamt ist das Gedicht eine Hommage an die Freiheit, die Unabhängigkeit und die Romantik des Studentenlebens. Eichendorff vermittelt eine tiefe Wertschätzung für die Natur, die Wissenschaft, die Musik und die Liebe, die alle Elemente des Studentenlebens darstellen und ihm Sinn und Freude verleihen. Es ist eine Ode an die Unbeschwertheit und die ungestörte Hingabe an die eigenen Ideale, ein Zustand, der durch die Freiheit des Wanderns und die Gelassenheit des Geistes ermöglicht wird.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.