Der Wegelagerer
1857Es ist ein Land, wo die Philister thronen, Die Krämer fahren und das Grün verstauben, Die Liebe selber altklug feilscht mit Hauben - Herr Gott, wie lang willst du die Brut verschonen!
Es ist ein Wald, der rauscht mit grünen Kronen, Wo frei die Adler horsten, und die Tauben Unschuldig girren in den grünen Lauben, Die noch kein Fuß betrat - dort will ich wohnen!
Dort will ich nächtlich auf die Krämer lauern Und kühn zerhaun der armen Schönheit Bande, Die sie als niedre Magd zu Markte führen.
Hoch soll sie stehn auf grünen Felsenmauern, Daß mahnend über alle stillen Lande Die Lüfte nachts ihr Zauberlied verführen.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Wegelagerer" von Joseph von Eichendorff beschreibt den Kontrast zwischen einer ungeliebten, kommerzialisierten Welt und einer idyllischen, unberührten Natur. In der ersten Strophe malt der Dichter ein düsteres Bild der realen Welt, in der die "Philister" herrschen und die Liebe zur Ware wird. Die zweite Strophe stellt diesem Bild eine idealisierte Natur gegenüber, in der der Sprecher Zuflucht sucht. Die dritte Strophe führt eine überraschende Wendung ein, indem der Sprecher ankündigt, in dieser Natur Zuflucht zu suchen, um dort auf die "Krämer" zu lauern und die "arme Schönheit" aus ihren Banden zu befreien. Dies könnte als eine Art poetische Rebellion gegen die bürgerliche Gesellschaft interpretiert werden, in der die wahre Schönheit und Liebe unterdrückt werden. In der letzten Strophe beschreibt der Sprecher sein Ziel, die befreite Schönheit auf grünen Felsenmauern zu erheben, wo sie als warnendes Beispiel über die "stillen Lande" hinweg ihre "Zauberlieder" verbreiten kann. Dies könnte als die Vision einer neuen, von der Natur inspirierten Kultur verstanden werden, die die bürgerliche Gesellschaft durch ihre Schönheit und Freiheit beeinflusst und verändert.
Schlüsselwörter
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Stilmittel
- Metapher
- Daß mahnend über alle stillen Lande Die Lüfte nachts ihr Zauberlied verführen
- Personifikation
- Wo frei die Adler horsten, und die Tauben Unschuldig girren in den grünen Lauben