Der Wächter
1788Nächtlich macht der Herr die Rund, Sucht die Seinen unverdrossen, Aber überall verschlossen Trifft er Tür und Herzensgrund, Und er wendet sich voll Trauer: Niemand ist, der mit mir wacht. - Nur der Wald vernimmts mit Schauer, Rauschet fromm die ganze Nacht.
Waldwärts durch die Einsamkeit Hört ich über Tal und Klüften Glocken in den stillen Lüften, Wie aus fernem Morgen weit - An die Tore will ich schlagen, An Palast und Hütten: Auf! Flammend schon die Gipfel ragen, Wachet auf, wacht auf, wacht auf!
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Interpretation
Das Gedicht "Der Wächter" von Joseph von Eichendorff erzählt von einer nächtlichen Suche, die von einem Herrn unternommen wird. Dieser sucht seine Seinen, doch überall trifft er auf verschlossene Türen und Herzen. Die Trauer des Herrn ist spürbar, da niemand bei ihm wacht. Nur der Wald lauscht mit Schaudern und rauscht die ganze Nacht fromm. Die Einsamkeit der Nacht wird durch das Läuten von Glocken in den stillen Lüften unterbrochen, das aus der Ferne zu hören ist. Der Erzähler hört diese Glocken über Tal und Klüfte, als kämen sie aus einem fernen Morgen. Diese Glocken symbolisieren einen Ruf zum Erwachen und zur Wachsamkeit. Am Ende des Gedichts wird der Ruf zum Erwachen lauter und eindringlicher. Der Erzähler will an die Tore klopfen, an Paläste und Hütten, und ruft: "Auf! Flammend schon die Gipfel ragen, Wachet auf, wacht auf, wacht auf!" Dies könnte als Appell an die Menschen verstanden werden, aus ihrer spirituellen Trägheit zu erwachen und sich auf das Kommende vorzubereiten.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- voll Trauer
- Bildsprache
- Flammend schon die Gipfel ragen
- Imperativ
- An die Tore will ich schlagen, An Palast und Hütten: Auf!
- Metapher
- wie aus fernem Morgen weit
- Onomatopoesie
- Rauschet fromm die ganze Nacht
- Personifikation
- Nur der Wald vernimmts mit Schauer