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Der Schreckenberger

Von

Aufs Wohlsein meiner Dame,
Eine Windfahn ist ihr Panier,
Fortuna ist ihr Name,
Das Lager ihr Quartier!

Und wendet sie sich weiter,
Ich kümmre mich nicht drum,
Da draußen ohne Reiter,
Da geht die Welt so dumm.

Statt Pulverblitz und Knattern
Aus jedem wüsten Haus
Gevattern sehn und schnattern
Alle Lust zum Land hinaus.

Fortuna weint vor Ärger,
Es rinnet Perl auf Perl.
»Wo ist der Schreckenberger?
Das war ein andrer Kerl.«

Sie tut den Arm mir reichen,
Fama bläst das Geleit,
So zu dem Tempel steigen
Wir der Unsterblichkeit.

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Gedicht: Der Schreckenberger von Joseph von Eichendorff

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Der Schreckenberger“ von Joseph von Eichendorff ist eine melancholisch-ironische Reflexion über den Abschied von einer vergangenen, idealisierten Welt, in der Mut, Abenteuer und Ruhm von Bedeutung waren. Der Titelheld, der „Schreckenberger“, wird hier als eine Figur dargestellt, die sich von den Konventionen und der Eintönigkeit der bürgerlichen Gesellschaft abwendet. Er blickt auf eine Zeit zurück, in der sein Leben von Leidenschaft, vielleicht sogar von kriegerischen Auseinandersetzungen, geprägt war.

Die erste Strophe zeichnet ein Bild von der „Dame“ des Erzählers, die als Personifizierung von Glück und Abenteuerlust dient. Ihr „Panier“ ist eine „Windfahn“, ein Symbol für Unbeständigkeit und Wechsel, was darauf hindeutet, dass die Freude am Leben und am Abenteuer flüchtig ist. Fortuna, die römische Göttin des Glücks, gibt dem Bild eine weitere Ebene, da sie den Namen der Dame hat und der Erzähler mit ihr in die Welt zieht. Die zweite Strophe beschreibt die Welt außerhalb der Dame, und die Einstellung des Erzählers zu ihr: Er kümmert sich nicht um die Welt ohne sie, in der alles „dumm“ ist. Die Welt ohne Abenteuer ist für ihn bedeutungslos.

Die dritte Strophe kontrastiert die aufregende Vergangenheit mit der gegenwärtigen, langweiligen Gesellschaft. Anstelle des „Pulverblitz“ und des „Knatterns“ der Schlacht erlebt er jetzt nur noch Gevatterpartys, bei denen „alle Lust zum Land hinaus“ geht. Dies verdeutlicht den Verlust der vitalen Energie und des Abenteuers, die das Leben einst ausmachten. Die Strophe spiegelt die Sehnsucht nach der verlorenen Romantik wider und kritisiert die Enge und Langeweile der bürgerlichen Welt.

Die letzten beiden Strophen nehmen eine Wendung, die die zentrale Aussage des Gedichts hervorhebt. Fortuna weint über den Verlust des „Schreckenbergers“, was impliziert, dass die abenteuerliche und leidenschaftliche Lebensweise des Erzählers von der Welt vermisst wird. Die Anspielung auf die „Unsterblichkeit“ am Ende zeigt die Erhebung des Schreckenbergers in eine Sphäre, in der sein Mut und seine Tapferkeit geehrt werden. Die Metapher des „Tempels“ deutet auf eine Art Anerkennung und Verklärung hin. Das Gedicht endet mit einer bittersüßen Note, die sowohl die Trauer über den Verlust der alten Welt als auch die Hoffnung auf eine ewige Erinnerung an den Helden in sich trägt.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.