Der Schiffer

Joseph von Eichendorff

1857

Die Lüfte linde fächeln, Aus stillen Meeres Schaum Sirenen tauchend lächeln, Der Schiffer liegt im Traum.

Da faßt der Sturm die Wellen, Durchwühlt die Einsamkeit: Wacht auf, ihr Traumgesellen, Nun ists nicht Schlafenszeit! -

In jenen stillen Tagen Wie war ich stolz und klug, In sichern Glücks Behagen Mir selber gut genug.

Du hast das Glück zerschlagen; Nimm wieder, was du gabst, Ich schweig und will nicht klagen, Jetzt weiß ich, wie du labst.

Das sind die mächtgen Stürme, Die wecken, was da ruht, Es sinken Land und Türme Allmählich in die Flut.

Kein Meerweib will sich zeigen, Kein Laut mehr langt zu mir, Und in dem weiten Schweigen Steh ich allein mit dir.

O führe an den Riffen Allmächtig deine Hand, Wohin wir alle schiffen, Uns zu dem Heimatstrand!

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Illustration zu Der Schiffer

Interpretation

Das Gedicht "Der Schiffer" von Joseph von Eichendorff handelt von einem Schiffer, der in einem Boot auf dem Meer träumt. Sirenen lächeln ihm zu und die Lüfte fächeln milde. Doch plötzlich erfasst ein Sturm die Wellen und durchwühlt die Einsamkeit. Der Sturm weckt den Schiffer auf und mahnt ihn, nicht mehr zu schlafen. In der zweiten Strophe blickt der Sprecher zurück auf "jene stillen Tage", in denen er stolz und klug war und sich in seinem Glück sicher fühlte. Doch dann hat Gott dieses Glück zerschlagen. Der Sprecher will nicht klagen, sondern nimmt das wieder hin, was Gott ihm gegeben hat. Er hat erkannt, wie Gott ihn labt. In der dritten Strophe werden die "mächtigen Stürme" beschrieben, die alles, was da ruht, wecken. Durch sie sinken Land und Türme allmählich in die Flut. Es zeigen sich keine Meerweiber mehr und kein Laut dringt mehr zu dem Sprecher durch. In dem weiten Schweigen steht er allein mit Gott. In der letzten Strophe bittet der Sprecher Gott, seine allmächtige Hand an den Riffen zu führen. Er will mit allen, die auf der Reise sind, an den Heimatstrand gelangen. Das Gedicht endet mit der Hoffnung auf die Heimat, die nur durch Gott erreicht werden kann.

Schlüsselwörter

stillen will kein lüfte linde fächeln meeres schaum

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Stilmittel

Metapher
Uns zu dem Heimatstrand
Personifikation
Kein Meerweib will sich zeigen