Annonciatens Bild
Am Hügel sitzt sie, wo von kühlen Reben
Ein Dach sich wölbt durchrankt von bunter Wicke,
Im Abendhimmel ruhen ihre Blicke,
Wo goldne Pfeile durch die Dämmrung schweben.
Orangen sind ihr in den Schoß gegeben
Zu zeigen, wie die Glut sie nur entzücke,
Und länger weilt die Sonne, sieht zurücke
Zum stillen Kinde in das dunkle Leben.
Der freien Stirne schwarze Locken kränzet
Ihr goldner Pomeranzen süße Blüte,
Zur Seite sitzt ein Pfau, der in den Strahlen
Der Sonne, der er sehnend ruft, erglänzet.
Mit solchen Farben wollte das Gemüte
Von Annonciata fromm ein Künstler malen.
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Annonciatens Bild“ von Clemens Brentano beschreibt eine Szene, die von Ruhe, Schönheit und einer stillen Andacht geprägt ist. Es zeichnet ein Bild der Annonciata, einer jungen Frau, die in einer idyllischen Umgebung verweilt. Der Titel deutet auf eine Darstellung der Verkündigung hin, auch wenn die typischen Elemente dieser religiösen Szene subtil in die Natur eingebettet sind. Die Beschreibung konzentriert sich auf die visuelle Gestaltung und die Atmosphäre, wobei die Natur eine zentrale Rolle spielt und die Gemütlichkeit der Szene unterstreicht.
Das Gedicht ist in zwei Strophen unterteilt, die durch die Beschreibung der Umgebung und der zentralen Figur aufgebaut sind. Die erste Strophe etabliert die Szenerie: eine Frau auf einem Hügel, umgeben von Weinreben und einem bunten Dach. Ihr Blick ist auf den Abendhimmel gerichtet, wo goldene Pfeile die Dämmerung durchbrechen. In der zweiten Strophe werden weitere Details enthüllt: Orangen im Schoß der Frau, die als Sinnbild für die Glut der Liebe gedeutet werden können. Die Sonne verweilt länger, scheint von der Schönheit der Szene angezogen zu sein. Ein Pfau, der in den Sonnenstrahlen glänzt, ergänzt das Bild und symbolisiert möglicherweise Stolz oder Schönheit.
Die Natur spielt eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung der Atmosphäre. Der Abendhimmel, die Reben, die Orangen und die Sonne werden mit intensiven Bildern dargestellt, die die Sinne ansprechen. Die Farbe Gold, die mehrfach verwendet wird, erzeugt ein Gefühl von Wert und Erhabenheit. Die Beschreibung der Umgebung erzeugt eine Atmosphäre der Kontemplation und der stillen Andacht. Der Pfau, der in den Strahlen der Sonne glänzt, könnte zudem auf die Schönheit der Schöpfung und die Vergänglichkeit der irdischen Freuden hinweisen.
Die letzten beiden Zeilen fassen die zentrale Absicht des Künstlers zusammen: Das Gemüt der Annonciata fromm darzustellen. Dies deutet darauf hin, dass das Gedicht eine Art Porträt ist, das nicht nur die äußere Erscheinung, sondern auch die innere Welt der Figur einfängt. Die Verwendung von „fromm“ suggeriert eine tiefe spirituelle Verbundenheit oder eine Haltung der Demut und der Hingabe. Das Gedicht verbindet somit die Elemente der Natur und der Schönheit mit einer subtilen religiösen Dimension, wodurch eine Szene von stiller Erhabenheit und tiefer Bedeutung geschaffen wird.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.