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An einen kritischen Freund

Von

Die Märchen sind halt Nürnberger War,Wenn der Mond nachts in die Butiken scheint:Drum nicht so strenge, lieber Freund,Weihnachten ist nur einmal im Jahr.

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Gedicht: An einen kritischen Freund von Eduard Mörike

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „An einen kritischen Freund“ von Eduard Mörike ist eine charmante und humorvolle Auseinandersetzung mit der Kritik eines Freundes, vermutlich an den poetischen oder künstlerischen Werken des Dichters. Der Text präsentiert eine spielerische Verteidigung gegen die kritischen Einwände und plädiert für eine gewisse Nachsicht und den Genuss des Festlichen.

Die erste Zeile, „Die Märchen sind halt Nürnberger War,“ ist der Schlüssel zum Verständnis. Mörike spielt hier mit einem Wortspiel: „War“ könnte eine verkürzte Form von „Ware“ (also Handelsware) sein, was impliziert, dass Märchen, wie Waren, betrachtet und bewertet werden können. Der Bezug auf Nürnberg, bekannt für seine Märkte und Handwerkskunst, könnte andeuten, dass die Kritik des Freundes zu rational und auf materielle oder praktische Aspekte fixiert ist, wie man es von einem Händler erwarten würde. Gleichzeitig wird durch das Wortspiel die Poesie der Märchen selbst in Frage gestellt.

Der zweite Teil des Gedichts verstärkt diesen Eindruck durch das Bild des Mondes, der „nachts in die Butiken scheint.“ Dieses Bild suggeriert eine Romantik und Poesie, die in den nüchternen, kommerziellen Räumen der Geschäfte, den „Butiken“, ungewöhnlich ist. Der Mond als Symbol des Poetischen, des Träumerischen und der Fantasie dringt in die Welt des Realen, des Praktischen und des Materiellen ein. Dies unterstreicht den Konflikt zwischen der kritischen Sichtweise des Freundes und der poetischen Welt Mörikes.

Die abschließende Zeile, „Drum nicht so strenge, lieber Freund, / Weihnachten ist nur einmal im Jahr,“ ist die eigentliche Pointe und die Essenz des Gedichts. Sie ist ein Appell an den Freund, seine Kritik zurückzustellen und die Freude und Leichtigkeit des Lebens zu genießen. Weihnachten als Fest der Freude, der Wärme und der Nachsicht wird hier als Gegenpol zur Strenge der Kritik gesetzt. Mörike fordert seinen Freund auf, die poetische Welt, die Märchen und die Fantasie zu akzeptieren, und dies mit der Gelassenheit und der Freude zu betrachten, die einem Festtag wie Weihnachten eigen ist. Das Gedicht ist somit ein humorvolles Plädoyer für die Freiheit der Kunst und die Notwendigkeit, dem Leben mit einem gewissen Augenzwinkern zu begegnen.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.