An einen Liebenden

Eduard Mörike

1804

Du klagst mir, Freund, daß immer die Mutter noch Des schönen Kindes gleich unerbittlich sei. Geduld! noch leben wir im Jänner, Aber nicht stets wird der Eiswind schnauben.

Im Winkel, wo sich einsam des Daches Trauf In morscher Rinne sickernd vereiniget, Hängt mannsdick, zuckerkandelartig Schimmernd ein sechsfach verwachsnes Monstrum.

Bald wehen laue Lüfte den Frühling her, Dein Gartenbeet vergoldet der Krokus schon; Eidechslein sonnen ihr smaragdnes Kleidchen am bröckelnden Felsen wieder.

Grün wird das Wiesental, und der lichte Wald Vertieft in Schatten schon sich geheimnisvoll, Die wilde Taube gurrt, der Jäger Schmückt sich den Hut mit dem jungen Zweige.

Blieb dann von jenem eisigen Ungetüm Auch wohl die Spur noch? - Warte den Sommer ab. Im schlimmsten Fall, o Bester, denke, Daß noch des Wildes im Forste mehr lebt!

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Illustration zu An einen Liebenden

Interpretation

Das Gedicht "An einen Liebenden" von Eduard Mörike handelt von der Sehnsucht eines Liebenden, der von seiner Angebeteten abgewiesen wird. Der Sprecher tröstet seinen Freund und ermutigt ihn zur Geduld, da noch der Winter herrscht und der Frühling mit seinen warmen Lüften und blühenden Gärten noch bevorsteht. Das Gedicht verwendet eine Vielzahl von Naturbildern, um die verschiedenen Jahreszeiten und die damit verbundenen Stimmungen darzustellen. Der Winter wird als kalt und unerbittlich beschrieben, während der Frühling mit seinen warmen Lüften und blühenden Gärten als eine Zeit der Hoffnung und Erneuerung dargestellt wird. Das Monstrum aus Eis im Winter wird schließlich vom Sommer abgelöst, was darauf hindeutet, dass auch die Hoffnung des Liebenden irgendwann erfüllt werden wird. Das Gedicht endet mit einer Ermutigung an den Liebenden, nicht aufzugeben und zu hoffen, dass auch andere Tiere im Wald überleben werden. Dies kann als eine Metapher für die Hoffnung des Liebenden interpretiert werden, dass auch seine Liebe irgendwann erwidert wird.

Schlüsselwörter

klagst freund mutter schönen kindes gleich unerbittlich geduld

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Stilmittel

Bildlichkeit
Smaragdnes Kleidchen
Metapher
Eisiges Ungetüm
Personifikation
Eidechslein sonnen ihr smaragdnes Kleidchen
Symbolik
Wildes im Forste
Vergleich
Zuckerkandelartig