An Frau Luise Walther
1853Wie manchen Morgen, frisch und wohlgemut,Im lichten Sommerkleid, Feldblumen auf dem Hut,Trat sie bei uns, die edle Freundin, ein,Und wie sie kam, da war es Sonnenschein!Als ob sie weiter gar nicht wollte oder wüßte,Nur daß sie jedermann zur Freude dasein müßte,So lebte sie in klarer Gegenwart,Neidlos bei andrer Glück, die Lachende, die Feine;Doch heimlich sah ich’s oft in ahnungsvollem ScheineHoch über dieses Scheitels ReineWie einen sel’gen Stern, der seiner Stunde harrt.Nun ist’s geschehn! und mit verklärtem BlickeVon ihres Lebens Gipfel lächelt sie;Es war geschehn, kaum weiß sie selber wie,Denn jäh erfüllen sich die himmlischen Geschicke.
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Interpretation
Das Gedicht "An Frau Luise Walther" von Eduard Mörike handelt von einer edlen und freundlichen Frau, die wie ein Sonnenstrahl ins Leben der Menschen tritt. Sie erscheint immer frisch und wohlgemut, trägt ein lichtes Sommerkleid und hat Feldblumen auf dem Hut. Ihr Kommen bringt Sonnenschein in die Runde und erfreut jeden. Sie lebt in der Gegenwart, neidet niemandem sein Glück und ist stets lachend und fein. Doch der Dichter ahnt, dass über ihrem reinen Haupt ein seliger Stern wartet, der seine Stunde kennt. Nun ist es geschehen, die Frau hat ihr Lebensziel erreicht. Von der Höhe ihres Lebens lächelt sie mit verklärtem Blick herab. Sie selbst weiß kaum, wie es geschehen ist, denn plötzlich und unerwartet hat sich das himmlische Geschick erfüllt. Das Gedicht deutet an, dass die Frau gestorben ist und nun im Himmel weilt. Ihr Leben auf Erden war nur ein Warten auf diesen erhabenen Moment. Der Dichter trauert um sie, preist aber auch ihre edle Art und ihr glückliches Dahinscheiden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Im lichten Sommerkleid, Feldblumen auf dem Hut
- Hyperbel
- Es war geschehn, kaum weiß sie selber wie
- Metapher
- Und wie sie kam, da war es Sonnenschein!
- Personifikation
- Denn jäh erfüllen sich die himmlischen Geschicke
- Vergleich
- Wie einen sel'gen Stern, der seiner Stunde harrt