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An eine Sängerin

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Soll auf der Jungfrau Mund die begeisterte Rede verpönt sein,  Ist euch des tiefern Gefühls volles Bekenntnis versagt:O wie preis ich die Sängerin drum, die, unter der Muse  Schutz, mir den lieblichen Grund ihres Gemütes enthüllt!Niemand ärgert sich mehr, ja entzückt steht selbst der Philister,  Fühlt, in des Schönen Gestalt, ewige Mächte sich nah.

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Gedicht: An eine Sängerin von Eduard Mörike

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „An eine Sängerin“ von Eduard Mörike feiert die Freiheit und den Ausdruck des Gefühls, wie sie von einer Sängerin verkörpert werden. Der Autor wendet sich an die Sängerin und lobt sie dafür, dass sie ihre Emotionen in ihrem Gesang zum Ausdruck bringt, im Gegensatz zu einer „Jungfrau“, deren Rede möglicherweise „verpönt“ ist oder der das „volle Bekenntnis“ des Gefühls versagt bleibt. Mörike stellt hier eine Gegenüberstellung dar: die Zurückhaltung und mögliche Einschränkung einer Jungfrau vs. die Offenheit und der künstlerische Ausdruck der Sängerin.

Die zentralen Themen des Gedichts sind die Freiheit des künstlerischen Ausdrucks und die Wertschätzung des Gefühls. Mörike preist die Sängerin, weil sie die „lieblichen Grund ihres Gemütes enthüllt“. Dies deutet auf eine Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit hin, die Mörike in der Kunst sucht. Die Sängerin wird somit als eine Figur dargestellt, die über Konventionen und soziale Beschränkungen hinausgeht und ihre Gefühle frei zum Ausdruck bringt. Die Muse als Beschützerin unterstreicht die künstlerische Freiheit und Legitimation.

Ein bemerkenswertes Element des Gedichts ist die Reaktion des „Philisters“. Dieser Begriff, der oft für einen spießigen, engstirnigen Menschen steht, wird in diesem Kontext überraschend positiv dargestellt: Der Philister ist „entzückt“ und fühlt sich den „ewigen Mächten“ nah. Dies deutet darauf hin, dass die Kunst der Sängerin in der Lage ist, sogar diejenigen zu berühren, die normalerweise nicht für solche Empfindungen empfänglich sind. Die Fähigkeit der Kunst, Menschen zu verbinden und über soziale Grenzen hinweg zu begeistern, wird hier hervorgehoben.

Insgesamt ist „An eine Sängerin“ eine Ode an die Kunst und die Fähigkeit des Gesangs, tiefe Emotionen hervorzurufen und zu vermitteln. Das Gedicht feiert die Sängerin als eine Person, die ihre Gefühle frei äußert und dadurch andere Menschen, einschließlich des kritischen „Philisters“, berühren und begeistern kann. Mörike betont die transformative Kraft der Kunst und die Bedeutung von Offenheit und Authentizität im künstlerischen Ausdruck.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.