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An eine Aeolsharfe

Von

Tu semper urges flebilibus modisMysten ademptum: nec tibi VesperoSurgente decedunt amores,Nec rapidum fugiente Solem.(Horaz)Angelehnt an die EfeuwandDieser alten Terrasse,Du, einer luftgebornen MuseGeheimnisvolles Saitenspiel,Fang an,Fange wieder anDeine melodische Klage!Ihr kommet, Winde, fern herueber,Ach! von des Knaben,Der mir so lieb war,Frisch gruenendem Huegel.Und Fruehlingsblueten unterweges streifend,Uebersaettigt mit Wohlgeruechen,Wie suess bedraengt ihr dies Herz!Und saeuselt her in die Saiten,Angezogen von wohllautender Wehmut,Wachsend im Zug meiner Sehnsucht,Und hinsterbend wieder.Aber auf einmal,Wie der Wind heftiger herstoesst,Ein holder Schrei der HarfeWiederholt, mir zu suessem Erschrecken,Meiner Seele ploetzliche Regung;Und hier – die volle Rose streut, geschuettelt,All ihre Blaetter vor meine Fuesse!

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Gedicht: An eine Aeolsharfe von Eduard Mörike

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „An eine Aeolsharfe“ von Eduard Mörike ist eine lyrische Auseinandersetzung mit der Melancholie, der Sehnsucht und dem Verlust, die durch die Klänge einer Aeolsharfe evoziert werden. Das Zitat von Horaz am Anfang etabliert sofort eine Verbindung zur antiken Tradition und zum Thema der Trauer und des Abschieds. Die Aeolsharfe, ein Instrument, das vom Wind gespielt wird, dient als Medium für die Entfaltung der poetischen Emotionen des Sprechers.

Die erste Strophe beschreibt die Umgebung des Gedichts und die Rolle der Aeolsharfe als Quelle melancholischer Klänge. Der Ort, eine „alte Terrasse“ mit einer „Efeuwand“, suggeriert eine vergangene, idyllische Zeit und verstärkt das Gefühl der Wehmut. Der Wind, der die Saiten des Instruments zum Klingen bringt, wird als Überbringer von Erinnerungen und Gefühlen dargestellt, insbesondere von der Sehnsucht nach einem verstorbenen jungen Mann. Der Wind, der über einen Hügel weht, an dem der „Knabe“ begraben liegt, und die „Frühlingsblüten“ streift, die ihn begleiten, vermischen Trauer und Schönheit, Erinnerung und Natur.

Der mittlere Teil des Gedichts beschreibt die Wechselwirkung zwischen dem Wind, der Harfe und der Seele des Sprechers. Der Wind bringt die Klänge der Harfe hervor, die wiederum die Emotionen des Sprechers widerspiegeln und verstärken. Die „wohllautende Wehmut“ der Harfe verstärkt die Sehnsucht des Sprechers, und die Klänge scheinen sich mit seinen Gefühlen zu verbinden. Die Beschreibung des Windes als „wachsend im Zug meiner Sehnsucht“ und „hinsterbend wieder“ verdeutlicht die Vergänglichkeit und den Kreislauf von Emotionen, die durch die Musik des Instruments ausgelöst werden.

Das Gedicht gipfelt in einem überraschenden Moment der Katharsis. Ein „holder Schrei“ der Harfe, ausgelöst von einem heftigeren Windstoß, unterbricht die Melancholie und erschreckt den Sprecher. Gleichzeitig wirft eine Rose, die vom Wind geschüttelt wird, ihre Blätter vor die Füße des Sprechers. Dieses Bild der Rose, die für Schönheit, Liebe und Vergänglichkeit steht, deutet auf eine mögliche Auflösung der Trauer hin. Die Musik, die Trauer und Sehnsucht auslöste, findet in diesem Moment ein Ende. Das Gedicht schwingt zwischen der Sehnsucht nach dem verlorenen Knaben und der Erkenntnis der Schönheit des Lebens, selbst angesichts des Todes, hin und her.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.