Schlaflied
Einmal wenn ich dich verlier,
wirst du schlafen können, ohne
daß ich wie eine Lindenkrone
mich verflüstre über dir?
Ohne daß ich hier wache und
Worte, beinah wie Augenlider,
auf deine Brüste, auf deine Glieder
niederlege, auf deinen Mund.
Ohne daß ich dich verschließ
und dich allein mit Deinem lasse
wie einen Garten mit einer Masse
von Melissen und Stern-Anis.
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Schlaflied“ von Eduard Mörike ist eine melancholische Betrachtung über die Trennung und die damit verbundene Unfähigkeit, die geliebte Person in den Schlaf zu begleiten und zu beschützen. Der Sprecher thematisiert die Angst, die Verbundenheit, die er im Moment der Zweisamkeit empfindet, zu verlieren und was dann passieren würde, wenn er nicht mehr anwesend wäre. Es ist ein Liebesgedicht, das von der Furcht vor dem Alleinsein und der Vorstellung einer Zukunft ohne die geliebte Person geprägt ist.
Im ersten Teil des Gedichts (Strophe 1) wird die Frage nach dem Schlafen ohne die Anwesenheit des Sprechers gestellt. Die Metapher der „Lindenkrone“, die sich „verflüstre über dir“, deutet auf eine schützende, zarte Präsenz hin, die wie ein leises Rauschen über die Geliebte wacht. Die Vorstellung, diese schützende Geste zu verlieren, wirft ein Gefühl der Unsicherheit und des Verlustes auf, da die Frage impliziert, dass der Schlaf der Geliebten ohne die ständige Fürsorge des Sprechers nicht mehr friedlich sein könnte.
Die zweite Strophe (Verse 5-8) verstärkt diese Vorstellung durch die Betonung der wachsamen Fürsorge des Sprechers. Die Worte, die „beinah wie Augenlider“ auf die Geliebte gelegt werden, unterstreichen die sanfte, beschützende Geste. Dies deutet auf eine tiefe Verbundenheit und die Fähigkeit des Sprechers, die Geliebte mit seinem Wort und seiner Anwesenheit zu umarmen und zu schützen. Der Mund, die Brüste und die Glieder werden als Ruheorte genannt, was die Intimität der Beziehung und die Geborgenheit, die der Sprecher bietet, hervorhebt.
Die letzte Strophe (Verse 9-12) greift diese Idee der Geborgenheit und des Schutzes wieder auf. Der Sprecher möchte die Geliebte in seiner Obhut verschließen und sie so allein mit der Fülle der Natur lassen, repräsentiert durch „Melissen und Stern-Anis“. Diese Metapher impliziert eine liebevolle Absonderung, eine Art von persönlichem Garten, in dem die Geliebte in Ruhe und in ihrer eigenen Welt existieren kann. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Sehnsucht nach dieser Verbindung und dem Schmerz der möglichen Trennung, die im Titel des Gedichts implizit wird.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.