Selbstgeständnis
1837Ich bin meiner Mutter einzig Kind, Und weil die andern ausblieben sind - Was weiß ich wieviel, die sechs oder sieben, - Ist eben alles an mir hängen blieben; Ich hab müssen die Liebe, die Treue, die Güte Für ein ganz halb Dutzend allein aufessen, Ich wills mein Lebtag nicht vergessen. Es hätte mir aber noch wohl mögen frommen, Hätt ich nur auch Schläg für Sechse bekommen!
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Interpretation
Das Gedicht "Selbstgeständnis" von Eduard Mörike beschreibt die Erfahrung eines Einzelkindes, das die gesamte elterliche Liebe und Fürsorge allein auf sich vereinen muss. Der Sprecher reflektiert über seine Position als einziges Kind und wie diese seine Entwicklung und sein Selbstverständnis geprägt hat. Der erste Teil des Gedichts zeichnet ein Bild der einseitigen Verteilung der elterlichen Aufmerksamkeit. Die Eltern, insbesondere die Mutter, haben ihre gesamte Zuneigung und Fürsorge auf das einzelne Kind konzentriert. Dies führt zu einer Überfütterung mit Liebe, Treue und Güte, die der Sprecher als belastend empfindet. Die Wiederholung des Wortes "ich" unterstreicht die Isolation und die alleinige Verantwortung, die das Einzelkind trägt. Im zweiten Teil des Gedichts kommt eine gewisse Ironie zum Ausdruck. Der Sprecher deutet an, dass er sich gewünscht hätte, auch die "Schläge" oder die Härte des Lebens zu erfahren, um besser auf die Herausforderungen des Erwachsenenlebens vorbereitet zu sein. Dies impliziert, dass die übermäßige Fürsorge ihn möglicherweise verwöhnt oder unvorbereitet auf die Realitäten des Lebens zurückgelassen hat. Die Zeile "Hätt ich nur auch Schläg für Sechse bekommen!" deutet auf einen Wunsch nach einer ausgewogeneren Erziehung hin, die sowohl Liebe als auch Disziplin beinhaltet. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine ambivalente Sicht auf das Leben als Einzelkind. Es zeigt sowohl die Vorteile als auch die Nachteile einer solchen Position auf und regt zum Nachdenken über die Auswirkungen von Erziehung und elterlicher Fürsorge auf die Entwicklung eines Kindes an.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Für ein ganz halb Dutzend allein aufessen
- Metapher
- Ich hab müssen die Liebe, die Treue, die Güte Für ein ganz halb Dutzend allein aufessen
- Rhetorische Frage
- Und weil die andern ausblieben sind - Was weiß ich wieviel, die sechs oder sieben, -