Der Liebhaber an die heiße Quelle zu B.
Du heilest den und tröstest jenen,
O Quell, so hör auch meinen Schmerz!
Ich klage dir mit bittern Tränen
Ein hartes, kaltes Mädchenherz.
Es zu erweichen, zu durchglühen,
Dir ist es eine leichte Pflicht;
Man kann ja Hühner in dir brühen,
Warum ein junges Gänschen nicht?
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Der Liebhaber an die heiße Quelle zu B.“ von Eduard Mörike ist ein humorvoller und zugleich verzweifelter Appell eines Liebenden an eine heiße Quelle, um die Gunst seiner Angebeteten zu erlangen. Es spiegelt auf ironische Weise die Sehnsucht nach Liebe und die Hoffnung, das Herz einer unerreichbaren Frau zu erobern.
Der Sprecher wendet sich direkt an die Quelle und beschreibt ihre heilenden Kräfte für andere. Er selbst, von Liebeskummer gepeinigt, bittet die Quelle, auch ihm zu helfen. Seine „bittern Tränen“ verdeutlichen seine tiefe Verzweiflung und die Schwere seiner unerwiderten Liebe. Der Kern seiner Klage ist das „harte, kalte Mädchenherz“, das er zu erweichen sucht. Die Verwendung des Wortes „hart“ und „kalt“ deutet auf eine emotionale Distanziertheit und Unerreichbarkeit hin, die den Schmerz des Liebenden verstärkt.
Der zweite Teil des Gedichts nimmt eine überraschende Wendung, indem der Sprecher die Quelle direkt mit dem Bild eines Kochkessels vergleicht. Er argumentiert ironisch, dass die Quelle, wenn sie in der Lage ist, „Hühner in dir zu brühen“, auch die Fähigkeit besitzen sollte, das „junge Gänschen“, also das Herz des Mädchens, „zu durchglühen“. Dieser Vergleich ist sowohl humorvoll als auch desillusionierend. Er reduziert die Angebetete auf die Ebene eines Tieres, das man mit Hitze beeinflussen kann, und entlarvt damit die Verzweiflung des Liebenden, der nach jedem Mittel greift, um ihre Zuneigung zu gewinnen.
Mörike nutzt in diesem Gedicht geschickt Ironie und Übertreibung, um die Absurdität der menschlichen Sehnsucht nach Liebe zu verdeutlichen. Der Kontrast zwischen der feierlichen Anrede an die heilende Quelle und dem deftigen Vergleich mit dem Kochen von Geflügel erzeugt einen komischen Effekt, der die Tragik der Situation des Liebenden jedoch nicht verdeckt. Das Gedicht endet mit einer offenen Frage, die die Hoffnung des Liebenden impliziert, während es gleichzeitig seine Verzweiflung und Hilflosigkeit widerspiegelt. Es ist ein humorvolles, aber tiefgründiges Gedicht über die Unberechenbarkeit der Liebe und die oft aussichtslose Suche nach Zuneigung.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.