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Wie sich auch die Zeit will wenden…

Von

Wie sich auch die Zeit will wenden, enden
Will sich nimmer doch die Ferne,
Freude mag der Mai mir spenden, senden
Möcht Dir alles gerne, weil ich Freude nur erlerne,
Wenn Du mit gefaltnen Händen
Freudig hebst der Augen Sterne.

Alle Blumen mich nicht grüßen, süßen
Gruß nehm ich von Deinem Munde.
Was nicht blühet Dir zu Füßen, büßen
Muß es bald zur Stunde, eher ich auch nicht gesunde,
Bis Du mir mit frohen Küssen
Bringest meines Frühlings Kunde.

Wenn die Abendlüfte wehen, sehen
Mich die lieben Vöglein kleine
Traurig an der Linde stehen, spähen
Wen ich wohl so ernstlich meine, daß ich helle Tränen weine,
Wollen auch nicht schlafen gehen,
Denn sonst wär ich ganz alleine.

Vöglein euch mag′s nicht gelingen, klingen
Darf es nur von ihrem Sange,
Wie des Maies Wonneschlingen, fingen
Alles ein in neuem Zwange; aber daß ich Dein verlange
Und Du mein, mußt Du auch singen,
Ach das ist schon ewig lange.

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Gedicht: Wie sich auch die Zeit will wenden... von Clemens Brentano

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Wie sich auch die Zeit will wenden…“ von Clemens Brentano ist eine Liebeserklärung, die von Sehnsucht, Verehrung und dem Wunsch nach Einheit geprägt ist. Der Text offenbart die tiefe emotionale Verbundenheit des Sprechers zu einer geliebten Person, deren Gegenwart ihn mit Freude erfüllt und deren Abwesenheit Trauer auslöst. Die Verwendung von Naturmetaphern wie „Blumen“, „Vöglein“ und „Abendlüfte“ unterstreicht die romantische Atmosphäre und die Verbindung des Sprechers mit der natürlichen Welt, die nur durch die Anwesenheit der geliebten Person vollkommen wird.

Im ersten Abschnitt werden die Beständigkeit der Sehnsucht und der Wunsch nach Nähe ausgedrückt. Die „Ferne“ lässt sich scheinbar niemals überwinden, und der Sprecher sehnt sich danach, seiner Geliebten alles zu schenken. Die Freude des Sprechers ist untrennbar mit der Freude der Geliebten verbunden, was durch die Zeile „Wenn Du mit gefaltnen Händen / Freudig hebst der Augen Sterne“ verdeutlicht wird. Die Liebe wird hier als ein Geben und Nehmen, ein gegenseitiges Erleben von Freude und Glück, dargestellt.

Der zweite Abschnitt verstärkt diese Botschaft, indem er die Bedeutung der Geliebten als Quelle der Freude und Heilung hervorhebt. Die Natur selbst scheint für den Sprecher wertlos, solange die Geliebte fehlt. Nur durch ihre „frohen Küssen“ kann der Sprecher seinen „Frühlings Kunde“ empfangen und genesen. Dies unterstreicht die zentrale Rolle der Geliebten im Leben des Sprechers, die zu seinem Mittelpunkt und zur Quelle seines Glücks wird. Die Anspielung auf den Frühling symbolisiert Neubeginn, Leben und Freude, die erst durch die Liebe der Geliebten vollends erfahrbar werden.

Der dritte Abschnitt bringt eine Note der Melancholie ein. Der Sprecher wird von den Vögeln beobachtet, die seine Trauer teilen. Die Tränen, die er weint, deuten auf die schmerzliche Sehnsucht nach der Geliebten hin. Die Vögel symbolisieren hier die Einsamkeit und das Gefühl der Isolation, die durch die Abwesenheit der geliebten Person entstehen. Der Sprecher sehnt sich danach, dass die Geliebte seine Sehnsucht versteht und erwidert, wodurch das Gedicht einen persönlichen, intimen Charakter erhält, in dem Sehnsucht und Liebe untrennbar miteinander verbunden sind. Im letzten Abschnitt wird die Hoffnung auf eine gegenseitige Liebe verstärkt. Die Zeile „Ach das ist schon ewig lange“ deutet auf eine lange Zeit des Wartens und der Sehnsucht hin, was die Intensität der Gefühle des Sprechers zusätzlich betont.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.