Wie du sollst in Schönheit wallen...
1794Wie du sollst in Schönheit wallen Und dem Herrn doch wohlgefallen? Frag die Wiesenblümelein Die nicht ihrer Schönheit denken, Sich der Sonne heben, senken, Einsam duften und allein, Wo sie sproßten, in dem Garten Ruhig auch den Tod erwarten Ihrer Schönheit ewgen Samen Gottes Lüften gern vertrauen Freudig sterben und nicht schauen Wo der Herr sie aus will säen in Gottes Namen. Nichts vergehet, nichts entstehet Alles ist unendlich da Doch die armen Augen taugen Nur den Tod zu sehn. Dichter, du sollst eingestehn, Daß die Rose, die verblichen Du der Sterblichkeit verglichen, Eh sie war, und da sie glühte, Und nachdem sie längst verblühte, Daß die Rose eh und je Die ich hier erblassen seh, Ewiglich in Gott florieret Und wer dieses recht verstehet Triumphieret: Nichts vergehet, nichts entstehet, Alles ist unendlich da!
- Febr. 1815 im letzten Jahr der Poesie und im ersten und schlechtesten der Architektur.
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Interpretation
Das Gedicht "Wie du sollst in Schönheit wallen..." von Clemens Brentano thematisiert die Vergänglichkeit der Schönheit und den ewigen Kreislauf des Seins. Brentano verwendet die Metapher der Wiesenblumen, die ohne Bewusstsein ihrer Schönheit leben, sich der Sonne hingeben und schließlich sterben, um die Vergänglichkeit des Lebens zu veranschaulichen. Die Blumen vertrauen darauf, dass ihre Schönheit in Form von Samen weiterlebt und von Gott in einen neuen Garten gesät wird. Dies verdeutlicht die Idee, dass nichts wirklich vergeht, sondern alles in einem ewigen Kreislauf existiert. Im zweiten Teil des Gedichts wendet sich Brentano direkt an den Dichter und ermutigt ihn, die Vergänglichkeit der Rose als Symbol für die Sterblichkeit zu betrachten. Er betont, dass die Rose, auch wenn sie verblasst und stirbt, in Gott ewig weiterlebt. Der Dichter wird aufgefordert, diese Erkenntnis zu verstehen und zu akzeptieren, um letztendlich zu triumphieren. Die Wiederholung des Satzes "Nichts vergehet, nichts entstehet, Alles ist unendlich da!" unterstreicht die zentrale Botschaft des Gedichts, dass alles im ewigen Kreislauf des Seins existiert und nichts wirklich verloren geht. Das Gedicht wurde am 28. Februar 1815 geschrieben, was Brentano als "letztes Jahr der Poesie" und "erstes und schlechtestes Jahr der Architektur" bezeichnet. Diese zeitliche Einordnung deutet darauf hin, dass Brentano in einer Phase des Übergangs und der Veränderung lebte, in der er sich mit den Themen Vergänglichkeit und Ewigkeit auseinandersetzte. Die Kombination von Poesie und Architektur als Metaphern für die kreative und strukturelle Gestaltung des Lebens unterstreicht die tiefere Bedeutung des Gedichts und seine Verbindung zur menschlichen Existenz.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Sich der Sonne heben, senken
- Chiasmus
- Nichts vergehet, nichts entstehet
- Hyperbel
- Alles ist unendlich da
- Metapher
- Wie du sollst in Schönheit wallen
- Parallelismus
- Freudig sterben und nicht schauen
- Personifikation
- Frag die Wiesenblümelein
- Symbolik
- Die Rose als Symbol für Schönheit und Vergänglichkeit
- Vergleich
- Daß die Rose, die verblichen / Du der Sterblichkeit verglichen