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Trippel Trippel trap, trab, trap…

Von

Trippel Trippel trap, trab, trap
Heut schließ ich die Tür nicht ab
Wenn ich dich erst bei mir hab
Küß ich dich recht tüchtig ab.

Weck mir nicht die Mutter auf
Nur nicht hust, nicht nies, nicht schnauf,
Nicht zu stolz renn mir herauf,
Wer hoffärtig fällt leicht drauf.

Weck mir nicht die Martinsgans,
Tritt dem Hund nicht auf den Schwanz,
Schleiche wie der Mondenglanz,
Wie ein Floh im Hochzeitskranz

Stoß mir nicht die Kübel um
Liebster Schatz, ich bitt dich drum
Rumpelt er rumpidipum
Liebster Schatz, das wäre dumm

Und vor allem ich dich bitt
Auf der Treppe in der Mitt
Mache einen großen Schritt
Von vier Stufen fehlt die dritt

In das Maul nimm deine Schuh
Kömmt die Magd, so fahr drauf zu
Dann glaubt sie, du seist Wu Wu
Kriecht ins Bett und läßt uns Ruh.

Gehe links, ach geh nicht recht
Sonst kömmst du zum Oberknecht
Und da kriegst du ein Gefecht
Und der Jockel schmeißt nicht schlecht

Steig auch nicht bis unters Dach
Kömmst [sonst] in das Taubenfach,
Da wird gleich mein Bruder wach,
Eilet schnell dem Marder nach.

Bist du vor der Kammertür
Klage deinen Jammer mir,
Dann schieb ich die Klammer für
Schrei, wer ist, Potz Hammer, hier.

Und da wachet alles auf
Mutter, Bruder, Knecht im Lauf
Nahn, es wird ′ne Prügeltrauf.
Besser als ′ne Kindertauf!

Doch es ging ′nen andern Gang,
Mutter nach neun Monden sang,
Mädel, ′s wird mir angst und bang,
Sonst war ja dein Röckchen lang.

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Gedicht: Trippel Trippel trap, trab, trap... von Clemens Brentano

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Trippel Trippel trap, trab, trap…“ von Clemens Brentano zeichnet ein lebendiges Bild einer nächtlichen Liebesszene, die von heimlicher Anbahnung und heimlicher Angst geprägt ist. Der erste Teil des Gedichts, der durch die auffordernden Reime und die kindliche Sprache geprägt ist, vermittelt ein Gefühl von Aufregung und Verwegenheit, während die Liebenden heimlich zusammenkommen wollen.

Im weiteren Verlauf des Gedichts wird die Komplexität der Situation deutlich. Der Liebende versucht, alle möglichen Risiken zu minimieren, indem er vor verschiedenen Gefahren warnt, die die heimliche Begegnung gefährden könnten. Die Anweisungen des Gedichts sind sowohl amüsant als auch bezeichnend für die damalige Zeit, in der soziale Konventionen und elterliche Aufsicht eine große Rolle spielten. Die zahlreichen Anweisungen, wie man sich verhalten soll – vom Vermeiden von Lärm bis zum heimlichen Vorgehen – zeigen die Notwendigkeit, Diskretion zu wahren.

Die abschließenden Strophen führen jedoch eine überraschende Wendung ein. Die warnenden Worte der ersten Verse wandeln sich in ein unerwartetes Ergebnis. Die Hinweise auf „die Mutter“, „Bruder“ und „Knecht“ deuten auf eine drohende Konfrontation hin, die jedoch ausbleibt. Stattdessen wird die Schwangerschaft des Mädchens, die in den letzten Versen offenbart wird, indirekt angedeutet. Dieses Ende deutet darauf hin, dass die heimliche Begegnung zu einer Schwangerschaft geführt hat, wodurch die Warnungen und Vorsichtsmaßnahmen des Liebenden eine neue, bittersüße Bedeutung erhalten.

Brentano spielt hier mit Ironie und Humor, um die Umstände einer geheimen Liebesbeziehung zu beleuchten. Das Gedicht fängt die jugendliche Aufregung, aber auch die damit verbundenen Sorgen und Ängste ein. Das Gedicht ist eine Mischung aus Komödie und Tragödie, in der die Erwartungen des Lesers unterlaufen werden und die Unvorhersehbarkeit des Lebens widergespiegelt wird.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.