Über eine Skizze
1778Verzweiflung an der Liebe in der Liebe
In Liebeskampf? In Todes Kampf gesunken? Ob Atem noch von ihren Lippen fließt? Ob ihr der Krampf den kleinen Mund verschließt? Kein Öl die Lampe? oder keinen Funken?
Der Jüngling - betend? tot? in Liebe trunken? Ob er der Jungfrau höchste Gunst genießt? Was ist′s, das der gefallne Becher gießt? Hat Gift, hat Wein, hat Balsam sie getrunken.
Des Jünglings Arme, Engelsflügel werden - Nein Mantelsfalten - Leichentuches Falten. Um sie strahlt Heilgen Schein - zerraufte Haare.
Strahl′ Himmels Licht, flamm′ Hölle zu der Erde Brich der Verzweiflung rasende Gewalten, Enthüll′ - Verhüll′ - das Freudenbett - die Bahre.
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Interpretation
Das Gedicht "Über eine Skizze" von Clemens Brentano handelt von einer intensiven Liebesbegegnung, die zwischen Leben und Tod, zwischen Ekstase und Verzweiflung oszilliert. Die lyrische Instanz ringt um eine Deutung der dargestellten Szene, in der ein junges Paar in inniger Umarmung gezeigt wird. Die Ambivalenz der Situation wird durch eine Reihe von Fragen verdeutlicht, die die Grenzen zwischen Liebeskampf und Todeskampf, zwischen Lebendigkeit und Erstarrung verwischen. Die Interpretation der Szene bleibt ambivalent und unklar. Der Jüngling wird als betend, tot oder in Liebe trunken beschrieben, während die Jungfrau in einem Zustand der höchsten Gunst, des Giftes, des Weins oder des Balsams verharrt. Die Arme des Jünglings werden zunächst als Engelsflügel, dann als Mantelfalten und schließlich als Leichentuchfalten gedeutet. Diese Vielfalt der Interpretationen spiegelt die Komplexität der dargestellten Situation wider und unterstreicht die Unfähigkeit des Betrachters, eine eindeutige Aussage über das Geschehen zu treffen. Das Gedicht endet mit einem Appell an den Himmel, die Hölle und die Verzweiflung, die Szene zu enthüllen oder zu verhüllen, als Freudenbett oder als Bahre. Diese letzte Strophe verdeutlicht die ultimative Ambivalenz der Situation: Die Umarmung des Paares kann sowohl als Ausdruck höchster Liebeslust als auch als Zeichen des Todes verstanden werden. Brentano verweist damit auf die enge Verknüpfung von Liebe und Tod, von Ekstase und Verzweiflung, die die menschliche Existenz prägt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- [Todes Kampf krampf den kleinen jungfrau höchste zerraufte Haare rasende Gewalten]
- Kontrast
- [Strahl Himmels Licht, flamm Hölle zu der Erde Enthüll - Verhüll - das Freudenbett - die Bahre]
- Metapher
- [In Liebeskampf? In Todes Kampf gesunken? Des Jünglings Arme, Engelsflügel werden]
- Rhetorische Frage
- [Ob Atem noch von ihren Lippen fließt? Ob ihr der Krampf den kleinen Mund verschließt? Der Jüngling - betend? tot? in Liebe trunken? Ob er der Jungfrau höchste Gunst genießt? Was ist's, das der gefallne Becher gießt? Hat Gift, hat Wein, hat Balsam sie getrunken?]
- Symbolik
- [Kein Öl die Lampe? oder keinen Funken? Des Jünglings Arme, Engelsflügel werden Nein Mantelsfalten - Leichentuches Falten Um sie strahlt Heilgen Schein zerraufte Haare]