Singet leise, leise, leise…
Singet leise, leise, leise,
Singt ein flüsternd Wiegenlied,
Von dem Monde lernt die Weise,
Der so still am Himmel zieht.
Denn es schlummern in dem Rheine
Jetzt die lieben Kindlein klein,
Ameleya wacht alleine
Weinend in dem Mondenschein.
Singt ein Lied so süß gelinde,
Wie die Quellen auf den Kieseln,
Wie die Bienen um die Linde
Summen, murmeln, flüstern, rieseln.
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Singet leise, leise, leise…“ von Clemens Brentano ist eine zarte und eindringliche Wiegenlied-Strophe, die eine melancholische Atmosphäre und eine Sehnsucht nach Trost und Ruhe vermittelt. Es beginnt mit der wiederholten Aufforderung zum leisen Singen, was sofort eine Intimität und den Wunsch nach Geborgenheit suggeriert. Die sanfte Melodie soll von der Stille des Mondes inspiriert sein, der ungestört am Himmel zieht.
Im zweiten Abschnitt wird die eigentliche Thematik des Gedichts offenbart: die schlafenden Kindlein im Rhein und die einsam wachende „Ameleya“, die im Mondschein weint. Diese Zeilen deuten auf eine Trauer und ein Gefühl der Isolation hin. Der Rhein, ein Symbol des Fließens und der Ewigkeit, beherbergt hier die schlafenden Kinder, was entweder auf eine ruhige, friedliche Ruhestätte oder eine tiefere Traurigkeit über den Verlust eines Kindes hindeuten kann. Ameleya, die Figur, die im Mondschein weint, verkörpert die Trauer und das Leid, das die Stille der Nacht mit sich bringt.
Die letzte Strophe versucht, Trost zu spenden, indem sie ein Lied beschreibt, das sanft wie die fließenden Quellen über Kieselsteine und das Summen der Bienen um die Linde sein soll. Diese bildhafte Sprache evoziert eine idyllische Szenerie, die das Leid zu lindern versucht. Das sanfte „Summen, murmeln, flüstern, rieseln“ erzeugt eine Art von beruhigendem Klang, der versucht, die Melancholie zu überdecken und dem Hörer Trost zu spenden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Brentanos Gedicht eine bewegende Reflexion über Trauer, Verlust und die Suche nach Trost darstellt. Es kombiniert die sanfte Melodie eines Wiegenliedes mit der Beschreibung einer traurigen Szene, wodurch eine tiefe emotionale Wirkung erzielt wird. Die bildhafte Sprache und die Naturmetaphern dienen dazu, eine Atmosphäre der Ruhe und Geborgenheit zu erzeugen, die jedoch von der unterliegenden Trauer durchdrungen ist. Das Gedicht kann als eine tröstende Botschaft verstanden werden, die versucht, die Schmerzen der Seele durch die Schönheit der Natur und die Kraft der Musik zu lindern.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.